September 1934: Die Gestapo Dortmund berichtet für den Regierungsbezirk Arnsberg
„Die ersten Ansätze zu illegaler Tätigkeit der katholischen Front sind in der Verbreitung von Vervielfältigungen zu sehen, die angebliche Übergriffe von Nationalsozialisten gegenüber der Kirche behandeln. So gelangte im hiesigen Bereich die Abschrift eines Liedes zur Verteilung, das, wie der Verbreiter in einem Zusatz be¬hauptet, von der H.J. gesungen wird. Die Abwehr gegen das Lied habe ein Verbot der Kirchenblätter zur Folge gehabt. Das Flugblatt hat folgenden Wortlaut:
‚Melodie: Lore .... Lore ....
1.) Die alte Judenschande ist endlich ausgefegt, die schwarze Lumpenbande wühlt weiter unentwegt,
Du deutsches Volk, sag, muss das sein, dass Dich bespeit das schwarze Schwein ?
Wenn nicht, dann drisch doch drauf, dass die Funken fliegen hoch hinauf.
Halli... Hallo…
Grüß mir den Jesus noch einmal,
Halli… Hallo...
Schön ist der Jesus von 33 Jahr'n,
Halli… Hallo...
2.) Deutsche Männer, deutsche Frauen, jetzt ist genug mit der Faulhaberei.
Deutsche Männer, deutsche Frauen, hast das schwarze Lumpenpack zu Brei.
Und wenn sie Zeter und Mordio schrei'n, Gebt ihnen noch ein Ding hinein.
Halli ... Hallo ... usw.
3.) Wir achten jeden Glauben, ist's auch der unsre nicht.
Doch soll uns keiner rauben, was uns das Höchste ist.
Das deutsche Volk, der deutsche Gott steht turmhoch über Pfaffenspott!
Und jeder Schuft, der sich dran reibt, den hau'n wir, dass er liegen bleibt.
Halli ... Hallo ... usw.
4.) Die Hand dem deutschen Bruder, der ehrlich zu uns kam;
die Faust in seine Fresse, dem schwarzen Hetzkaplan.
Bald wird es Licht, es dämmert schon, dann kriegt der Judas seinen Lohn.
(An den Galgen, den er längst verdient, die Raben freu'n sich schon ihm.)
Erst wenn er baumelt in der Luft, sind wir erlöst vom schwarzen Schuft.
Halli . . . Hallo . . . usw.
Dieses Lied wurde zu Tausenden von Exemplaren in Speier verteilt, und zwar von der H.J.! Auch an anderen Stellen des Reiches wurde es gesungen, z.B. in Berlin und Düsseldorf. Die Abwehr gegen dieses Lied hatte das Verbot der Kirchenblätter zur Folge!‘
Auch der beschlagnahmte Fuldaer Hirtenbrief gelangte auf illegalem Wege unter die Bevölkerung. Dass dabei ehemals zentrümlich organisierte katholische Inhaber von Zeitungskiosken eine Rolle spielen, hat ein Fall in Dortmund einwandfrei dargetan.
So darf man sich nicht wundern, wenn in den Phantasievorstellungen katholischer Kinder, vor allem auf dem Lande, unglaubliche Bilder der Verfolgung alles Göttlichen durch den Nationalsozialismus sich festsetzen, was aus abgefangenen Briefen zu ersehen ist. Hochzeiten in Bärenfellen und Opferungen in heiligen Hainen gehören scheinbar zur absoluten Vorstellungswelt dieser verhetzten Jugend. In einem Falle hat ein Amtsgericht, und zwar das Amtsgericht in Menden, auf Veranlassung der Stapo Fürsorgeerziehung gegen den Sohn eines Posthalters angeordnet, der, offenbar mit Wissen seiner Mutter, solche Märchen an seine Tante, eine Ordensschwester in U.S.A. berichtete.
Der Kampf um die Jugend wird nach wie vor von den Geistlichen weitergeführt. Teilweise kam es zu Rückwanderungen in die kath. Jugendverbände. Im Ganzen gesehen dürfte aber der Wunsch, in die H.J. einzutreten, vor allem nach Einführung des Reichsjugendtages, bei einer immer größeren Anzahl von Jugendlichen durchbrechen.“