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Ereignisse
1934
Mai

Langanke polemisiert gegen Religion - Evangelische Kirche beschwert sich

Pfingsten 1934 findet in Witten ein großen HJ-Lager statt, auf dem der Führer des Gebietes Westfalen, Langanke, eine Rede hält, in der er laut Wittener Tageblatt vom 23. Mai 1934 bezogen auf das Pfingstfest unter anderem ausführt: "Wir feiern morgen das Fest, das die bürgerliche Gesellschaft zu einem Fest des satten und feisten Ausruhens gemacht hat. Wir feiern, wie die Männer des Reiches es feiern, ein Fest der inneren Sammlung und der Ausspannung, ein Fest der Arbeit an eurer inneren Haltung."

Die Bekenntnissynode der Deutschen Evangelischen Kirche schickt daraufhin am 5. Juni 1934 einen Beschwerdebrief an Baldur von Schirach, in der sie es bedauert, "dass in einem Staat, der sich zum positiven Christentum bekannt hat, gegenüber 10.000 vorwiegend christlichen Jugendlichen die christliche Bedeutung des Pfingstfestes ganz verschwiegen zu sein scheint".

Zudem wird in dem Schreiben Bezug auf das Ende von Langankes Rede genommen, in der er sagte: "Es geht nicht um dich und mich, es geht um Deutschland, es geht darum, dass Deutschland lebe, von Eweigkeit zu Ewigkeit. Amen."

Dies, so der Brief der Bekenntnissynode, müsse man beanstanden, denn hier werde die selbstverständliche Liebe zu Volk und Vaterland in eine Form gekleidet, die das christliche Empfinden schwer verletze.

Zuletzt wird noch ein Essensspruch auf dem Lager beanstandet, der den Wortlaut hat: "Unsere Seele dem Teufel, unsere Herzen den Mädels, unser Leben Adolf Hitler! Alle Mann - - - ran!"

Solche "vergiftenden Worte" dürften nicht gesprochen werden. Diesen Anspruch leite man daraus ab, dass auch "unsere Jugend in die Hitlerjugend eingereiht ist".

An Schirach ergehen daher die Fragen, ob er die beanstandeten Äußerungen billige und ob er bereit sei, derartige Entgleisungen zu verbieten.

Wittener Tageblatt verspottet Kirchgang von Hitlerjungen - Evangelische Kirche protestiert

Das Wittener Tageblatt berichtet am 23. Mai 1934 über ein großes HJ-Pfingstlager und äußert sich dabei in abfälliger Weise über den Kirchgang von Hitlerjungen:

"Wenige Zeit später zogen die Hitlerjungen, 'die das Bedürfnis danach hatten', zum Kirchgang ab. Die 'anderen', der Kern jeder Kameradschaft, blieben im Lager zurück und vertrieben sich die herrlichen Morgenstunde draußen an der Ruhr mit frohen Liedern und Spiel. Nachdem die 'Kirchgänger' zurück waren, begann ..."

Hierzu schreibt die Bekenntnissynode der Deutschen Evangelischen Kirche am 5. Juni 1934 einen Protestbrief an das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda und bemerkt, der Berichterstatter sei sich offenbar nicht bewusst, "dass ein wesentlicher Teil der HJ christlichen Elternhäusern entstammt". Er wisse offensichtlich nichts von der Tatsache, "dass bewusst christliche Eltern ihre Jugend willig der HJ anvertraut haben, daraus aber auch den Anspruch herleiten, dass diese Jugend in ihrer religiösen Überzeugung und kirchlichen Betätigung entgegen bindenen Zusagen auch nicht durch Spott gehindert wird".

Hier müsse auf die "Gefahr der Zerstörung der Volkseinheit" hingewiesen werden, "die durch eine derartige öffentliche Berichterstattung herbeigeführt zu werden droht". Daher wird das Einschreiten des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda erbeten.

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