NS-Schülerbund wirbt in Essen
Die Ortsgruppe Essen des NS-Schülerbundes hält am 29. Oktober 1930 im Hotel "Vereinshaus" eine öffentliche Versammlung ab, an der 170 Schüler, darunter 6 Schülerinnen, der höheren Schulen Essens teilnehmen. Redner des Abends ist ein Reichsbahn-Oberinspektor Maerz (Jg. 1893, wohnhaft in Essen), der sich scharf gegen den Weimarer Staat wendet, den er ein "verbrauchtes Zusammenleben, das Staat bezeichnet werden kann" nennt. Die Jugend dieses Staates befinde sich in einer "politischen Hochspannung" und könne sich dem Kampf, der "von Idee gegen Idee" geführt werde, nicht entziehen.
Kritisch wendet er sich anschließend gegen den "Marxismus" und hebt demgegenüber die politischen Ziele der NSDAP hervor, die er als der Allgemeinheit verpflichtet charakterisiert, wobei er insbesondere auf die rassenideologische Stoßrichtung des Parteiprogramms verweist: "Zweck des Kampfes [ist] die Erneuerung des deutschen Volkes in kultureller, rassiger und politischer Richtung. Die Rassenvermischung [hat] nur dazu geführt, dass das auf einer hohen Kulturstufe stehende deutsche Volk heruntergedrückt worden [ist]. In politischer Richtung [trägt] die Schuld an dem Rückgang nur der Marxismus." Die Bekämpfung gelte daher vor allem "dem Juden", da dieser einer fremden Rasse und nicht der germanischen Rasse angehöre. Damit solle vor allem der Einfluss der Juden im deutschen Staatsleben vernichtet werden. Auch auf kulturellem Gebiet müsse der Einfluss zurückgedrängt werden, da es zu einer "Verjudung aller deutschen Bühnen" gekommen sei. Gleiches konstatiert Maerz für den Bereich der Politik, wo er die "marxistische Weltverbrüderung" und den Pazifismus als Ergebnis jüdischen Einflusses erklärt.
Der Pazifismus wird von Maerz scharf kritisiert. Während die an Deutschland angrenzenden Länder "in Waffen starrten" habe der Pazifismus in Deutschland dazu geführt, dass der "Wehrgedanken" als ein "Verbrechen am Volke" bezeichnet werde. Dadurch könne "jeder kleine Krämer", für die er diskreditierend "Polacken und Tschechoslowakei" als Beispiel anführt, "mit Deutschland Ball spielen". Dagegen aufzubegehren stellt er als Ziel der NSDAP dar.
In der anschließenden Diskussion fragt ein Schüler nach der Haltung der NSDAP zur Religion, was mit dem Hinweis, dass die NSDAP die Ausübung christlicher Religion gewährleiste, von Maerz beantwortet wird. Ein anderer Schüler fragt nach den Folgen eines möglichen Geldtransfers der "jüdischen Hochfinanz" ins Ausland für die deutsche Wirtschaft, woraufhin Maerz auf das Parteiprogramm der NSDAP betreffend die "Brechung der Zinsherrschaft" verweist.