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Ereignisse
1934
Januar

Die Propagandazeitschrift "Fanfare"

Am 15. Januar 1933 erscheint die "Fanfare" auf Initiative des Gebietsführers des Gebietes Westfalen-Niederrhein, Hartmann Lauterbacher, erstmals als Sprachrohr der HJ im Westen. In einer Auflage von 12.000 Exemplaren soll sie als Werbezeitung den Kampf um die politische Macht unterstützen und dazu beitragen, neue Mitglieder zu werben. In großen Aufrufen wird zur Teilnahme an den Massenkundgebungen der HJ aufgefordert, die unter anderem in Bochum, Herford, Duisburg, Essen, Düsseldorf und Köln stattfinden.

Die Zeitung hat anfangs mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen, da die finanziellen Verhältnisse der HJ in der Zeit äußerst schlecht sind. Nicht nur bereitet es Probleme, ohne ein nennenswertes Startkapital einen geeigneten Verlag zu finden, sondern der Hauptschriftleiter muss auch den größten Teil der Redaktion selbst erledigen, Korrektur lesen und die fertigen Zeitungen dann auf einer Handkarre zum Versand bringen.

Nach dem 30. Januar wandelt sich die Situation. Die HJ erlebt einen großen Mitgliederzuwachs, "die Jugend", so die "Fanfare" in einem Rückblick, sei "unter die Fahnen Adolf Hitlers" geströmt. Bei einer Massenkundgebung in der "Golzheimer Heide" (am Denkmal von Albert Leo Schlageter) legen mehr als 175.000 Jungen und Mädchen "freudig ein Bekenntnis ab zum ersten Soldaten des Dritten Reiches".
Der "Tag von Düsseldorf" wird daraufhin von der HJ als "Ruf nach der Einheit der deutschen Jugend" gedeutet. "Unaufhörlich" seien nun "deutsche Jungen und Mädel in die Reihen der Hitler-Jugend" geströmt, die Bünde und Verbände seien auseinandergefallen, und es sei klar zutage getreten: "Deutschland darf nur noch eine Jugend kennen, die Hitler-Jugend".

Die Auflage der "Fanfare" steigt Mitte 1933 auf 100.000 an, Anfang 1934 erreicht sie eine Höhe von 220.000. Der einstige Initiator der Zeitschrift, Hartmann Lauterbacher, wird zum Obergebietsführer West ernannt und damit zum höchsten HJ-Führer im Westen.

Die "Fanfare" verschreibt sich nun dem "Kampf gegen eine artfremde Mode und ihre Auswüchse", sie richtet sich gegen die "versteckten Feinde des jungen Deutschland" und polemisiert gegen die "Spießer", die zuvor "am Biertisch Politik gemacht und sich über die 'Frechheit' der Lausejungen entrüstet hatten, die aber nunmehr ihre Zeit für gekommen hielten, sich in guten Ratschlägen zu ergehen".

Ende 1933 veröffentlicht sie ein "leidenschaftliches" Bekenntnis zur "Politik des Führers" und bekennt sich zum "Frieden der Welt": Sie gab "den Völkern der Erde die heilige Versicherung, daß dieses werdende Deutschland mit aller Welt in Frieden leben will, aber daß dieses Deutschland in dieser Welt des Friedens die Stelle für sich beansprucht, die die anderen Nationen der Welt auch für sich in Anspruch nehmen".

Gleichfalls unterstützt sie die nationalsozialistische Innenpolitik. Der Sieg des Nationalsozialismus sei so überzeugend gewesen, dass die Parteien "die Waffen streckten". Doch dann seien die konfessionellen Jugendverbände aufgestanden und hätten versucht, "dem Staat die Jugend zu nehmen". Damit sei der "Kampf um die deutsche Jugend entbrannt".
Doch die "deutsche Jugend" höre nicht mehr "die Worte falscher Propheten", sondern sie höre auf das Wort Hitlers, der "Deutschland gewann". Langsam werde durch "jeden deutschen Jungen und jedes deutsche Mädel die Erkenntnis dringen, daß es keine anderen Jugendorganisationen mehr geben" dürfe als die HJ. Daher werden die bestehenden Verbände wie die Hunderte von Bünden zerfallen. Die "Fanfare" aber werde die im deutschen Westen marschierende HJ begleiten und ihr "Stoßtrupp" und "Nachhut" sein. "Hitler-Jugend und Fanfare sind eins und sie ziehen hinein in den Kampf um den deutschen Menschen und der Sieg wird ihnen gehören, ihrer Fahne, von der Baldur von Schirach ruft: 'Ja, die Fahne ist mehr als der Tod'".

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