Schüler sollen Religionslehrer genauer beobachten
Besorgte Großeltern von Schulkindern berichten dem örtlichen Kaplan, dass Volksschullehrer E. die Schüler seiner Schule in Balkhausen dazu aufgefordert habe, ihn, der dort Religionsunterricht erteilt, genauer zu beobachten und dem Lehrer zu berichten, ob der Geistliche sich im Sinne der Nationalsozialisten verhält. Da nach ihrer Ansicht auch eine „weltliche Behörde" eine solche Form der Jugenderziehung kaum gut heißen könne, sei es, so die Großeltern, „an der Zeit dieses Verhalten zu unterbinden".
Der Lehrer bleibt jedoch bei seiner Einstellung und teilt dem Kaplan zwei Wochen später mit, er würde aus der Jünglings- und Männerkongregation austreten, „weil sie sich nicht auf den Boden der jetzigen Regierung der Nationalen Erhebung stellen wollen, also gegen meine vorgesetzte Behörde stehen". Seine innere Überzeugung sowie seine Mitgliedschaft im NSLB mache für ihn die weitere Arbeit in und für die katholische Kirche unmöglich. Er sei, so E. zum Schluss, „stolz darauf, so fest an Hitler und sein Werk zu glauben".
Im weiteren Verlauf der Auseinandersetzung denunzieren Schulrektor H. sowie Lehrer E. das Verhalten des Kaplans als regierungsfeindlich. Er habe den Hitlergruß nicht richtig erwidert und würde auch sonst mit seinem Verhalten die Kinder verunsichern. Darum bitten beide darum, dem Kaplan die Lehrerlaubnis zu entziehen, da sonst die Gefahr bestehe, dass er „einen Keil" in die Schule treibe.
Auch der Vertreter des Kreisschulrates richtet sich mit gleicher Bitte an den Regierungspräsidenten, da die Kinder ansonsten „in einen ungeheuren seelischen Konflikt gebracht" würden.
Erst Ende Juni 1934 nimmt Kaplan Schlutz erstmals selbst Stellung zu dem Anschuldigungen und widerlegt in vier Punkten die gegen ihn erhobenen Vorwürfe. er habe niemals die Absicht gehabt, die staatliche Autorität zu untergraben. Seine Arbeit orientiere sich an den Bestimmungen des Konkordats, die in diesen Dingen freie Betätigung zusichern würden. „Ich muss alle diese Anschuldigungen, weil sie eine persönliche Hetzte sind und reine Unwahrheiten bleiben ganz energisch zurückweisen." Zwischen der örtlichen HJ und der Jungenkongregation habe stets ein gutes Verhältnis geherrscht. Erst Lehrer E. habe sie auseinandergebracht, sie feindlich gestimmt. „Aktive Gegenarbeit gegen die deutsche Jugend", so der Kaplan abschließend, habe er bis heute keinesfalls geleistet.