Kirche wehrt sich gegen Vorwürfe
Mit einer von der Kanzel zu verlesenden Erklärung wehren sich die Pfarrgeistlichen des Rheinisch-Bergischen Kreises gegen Vorwürfe, die zuvor in der NS-Zeitung „Westdeutscher Beobachter" erhoben worden sind. Unter der Überschrift „Eine Antwort auf die zersetzenden Elemente. Wer die Staatsjugend ablehnt, lehnt den Staat ab", war dort über eine Versammlung in Bensberg berichtet worden, an der Lehrer aus dem gesamten Kreisgebiet teilgenommen hatten. Dort habe der Kreisschulrat ausgeführt:
„Die staatliche Erfassung der Jugend des Rheinisch Bergischen Kreises in der Staatsjugend zeigte, dass in katholischen und ländlichen Gemeinden der Prozentsatz der eingegliederten Jugend geringer sei als in evangelischen und städtischen Gegenden. Wenn dies auch zum Teil auf den Charakter der bergischen Menschen an sich zurückzuführen sei, so zeige sich doch darin auch der Einfluss klerischer Kreise, die weniger eine Sorge für das Seelenheil der Jugend als aus dem Bestreben der Zurückgewinnung machtpolitischer Positionen handelten. Denn als in der Vergangenheit die freie Schule entstand, als Gottlosigkeit und Bolschewismus gepredigt wurden, habe man vergebens auf eine Wort des Einspruches gewartet.'"
Gegenüber diesen beleidigenden Behauptungen des Schulrates, so teilen nun die Pfarrgeistlichen mit, würden sie sich mit dem Hinweis auf das „Hirtenwort unseres Oberhirten zum Jugendsonntag vom 15. Oktober 1934" begnügen, in dem es heiße:
‚Das Wort des hl. Vaters in seiner Oktoberbotschaft an diese unsere deutsche katholische Jugend mache ich mir zu eigen: 'Eure Sache ist meine Sache'. Ich tue es als katholischer und deutscher Bischof, denn ich weiß, dass in katholischen Jugendvereinen religiös gefestigte, kirchlich treue Jugend zugleich wertvolles Glied im Deutschen Volk und zuverlässiger Schutz des deutschen Vaterlandes in guten und bösen Zeiten ist. Darum verdienen auch die geistlichen und weltlichen Leiter derer Vereine, die sich so opferwillig um die von der Kirche ihnen anvertraute Jugend bemühen, den Dank nicht nur der Kirche, sondern auch des Vaterlandes. Sie haben wahrhaftig nicht nötig, gegen den Vorwurf verteidigt zu werden, ihr eintreten für die katholischen Jugendvereine gehe aus niedrigen, eigennützigen Beweggründen hervor.''"
Abschließend wird noch betont, dass der Vorwurf, die Kirche fördere den Bolschewismus untragbar sei und dass die katholische Kirche und seine geistliche Führung sich immer entschlossen gegen den Bolschewismus positioniert hätten.