Am 13. März 1934 wendet sich der stellvertretende KJMV-Generalpräses Clemens wegen eines Überfalls der HJ auf die St. Georgs Pfadfinder der Erzdiözese Köln in Altenberg an die Staatspolizeistelle Köln.
„Nachdem von der Staatspolizeistelle unterm 10.3.34 mir zugegangenen Eilbrief waren wir auf einen Überfall der Hitlerjugend in Altenberg gefasst. Und so kam es. Offenbar war nach den vielen Erfahrungen der letztens Monate von der Leitung der HJ hierzu Befehl gegeben worden. Woher sollte auch die Hitlerjugend Bergisch-Gladbach wissen, dass die Pfadfinderführer der Erzdiözese Köln an dem Tage in Altenberg eine Führertagung hatten!"
Da den katholisch organis8ierten Jugendlichen eine Fahrpreisermäßigung seitens der Reichsbahn nicht mehr gewährt würde, hätten sich die 91 Teilnehmer der Schulung bereits gegen Samstagmittag mit dem Fahrrad auf den Weg nach Altenberg gemacht. Deshalb sei es ihm, Clemens, nicht mehr möglich gewesen, sie über die Verbote, welche ihm von der Staatspolizeistelle erst Samstag früh übermittelt worden seien, zu informieren. Dies war der Grund dafür, dass viele Jungführer trotz der Anordnungen vom 9. März 1934 in Kluft erschienen seien. „Ich gab darum sofort nach der Ankunft Befehl, dass die Jungführer sich nicht öffentlich in Kluft zeigen, und nicht das Haus verlassen dürften, gemäß Ihrer Aufforderungen. (...) So blieben sie während der Tagung im Hause - für die jungen Menschen kein kleines Opfer."
Gegen Nachmittag hätten sich dann mehrere Mitglieder der HJ um das Haus Altenberg herum versammelt. „In höchst unwürdiger Weise streiften die, wie wenn es auf Verbrecherjagd ginge, um das Haus, wartend auf den Augenblick der Abfahrt."
Da die Gefahr eines Zusammenstoßes leicht vorhersehbar gewesen sei, habe er die Jungen zur Disziplin ermahnt. Sie sollten in einer geschlossenen Gruppe zunächst das Haus verlassen und sich erst dann trennen, wenn die Gefahr eines Überfalls von Seiten der HJ für Einzelpersonen oder Kleingruppen nicht mehr gegeben sei.
„Kaum verlassen unsere Jungmänner das Haus - und schon stürzten sich die Hitlerjungen, meist Ältere, wie die Wilden auf sie und es gab eine Rauferei." Als Clemens zusammen mit dem Altenberger Landjäger den verantwortlichen HJ Führer zur Rede stellen will, verweigert der die Antwort. Man hätte ihm höflich, aber bestimmt deutlich gemacht, dass die katholischen Jugendlichen eine polizeiliche Genehmigung besitzen würden und befohlen, sie ohne weitere Belästigungen abfahren zu lassen. „Trotzdem rissen einige Hitlerjungen unseren Jungmännern weiterhin Rock und Hemd auf."
Clemens erwartet von der Gestapo, dass sie die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen würde. „Vor allem aber bitte ich, in Zukunft in dem Ihnen unterstellten Befehlsbereich ähnliche Vorkommnisse mit allen Mitteln polizeilicher Gewalt zu unterbinden zu wollen. Bei schärferem Eingreifen gegen die wirklichen 'Provokateure' würden sich derlei Dinge nicht immer wiederholen. Es muss in einem Rechtsstaat unmöglich sein, dass seine Ordnung bestimmt wird von politischen Unterorganisationen, zumal von 14-18 jährigen Jungen. Es ist keinesfalls die Aufgabe der HJ, Polizeibefehle durchzuführen und da, wo kein polizeiliches Einschreiten geboten ist, ein solches durch Überfall zu provozieren und hintennach die Angegriffenen als die Urheber hinzustellen. Es bedeutet eine außerordentliche Schädigung des Rechtsbewusstseins im deutschen Volke und eine Schwächung der Autorität staatlicher Organe, wenn die Polizei solche Anmaßung von Polizeirechten ungestraft passieren lässt."
Obwohl in der Gegend vom Haus Altenberg auch viele kirchenfeindlich gesonnene Kommunisten wohnen würden, so betont Clemens ausdrücklich, habe er in den zwölf Jahren der Existenz des Hauses keinen vergleichbaren Fall erlebt.