Der Oberpräsident der Rheinprovinz bringt dem Kölner Kardinal am 11. Juni 1934 den Briefwechsel mit dem Generalsekretär Clemens vom KJMV zur Kenntnis. Im Anschreiben hierzu heißt es unter anderem: „Das Schreiben beweist mir erneut einwandfrei die Richtigkeit meiner bisherigen Auffassung und Forderung, dass eine der ersten und wichtigsten Voraussetzungen für eine wirkliche vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Staat und katholischer Kirche die möglichst sofortige und gründliche Änderung in der Besetzung der Führer der katholischen Verbände sein muss."
Am 28. Mai 1934 hatte der Oberpräsident an den KJMV folgendes geschrieben:
„Wir mir die Staatspolizeistelle in Aachen am 23. ds. Mts. berichtet hat, hat der Leiter dieser Stelle gelegentlich einer Dienstfahrt durch die Eifel am 19. ds. Mts. festgestellt, dass von zahlreichen jugendlichen Eifelwanderern noch ein verhältnismäßig großer Teil die bei den katholischen Jugendverbänden übliche Tracht und das der Hitlerjugend als Staatsjugend vorbehaltene Fahrtenmesser trug. Ich bitte Sie, mit allem Nachdruck auf die ihnen unterstellten katholischen Jugendverbände einzuwirken, dass sie die ergangenen Bestimmungen hinsichtlich des Tragens der Trachten genau beachten, andernfalls bei nochmaligen Feststellungen mit den schärfsten Mitteln gegen die Übertreter der Anordnungen vorgegangen werden muss."
Clemens hatte hierauf am 1. Juni 1934 geantwortet:
„Wenngleich die in Verfolgung des historischen Erlasses des Herrn Oberpräsidenten der Rheinprovinz vom 30. November 1933 erfolgten Unterdrückungsmaßnahmen und der Verschärfungen der letzten Tage nach einheitlicher Auffassung des Heiligen Stuhls, der deutschen Bischöfe und der Jugendverbände - wie dem Herrn Oberpräsidenten wohl bekannt ist - in Ziel, Begründung und Methode den Vereinbarungen aus den Konkordatsverhandlungen widersprechend sind, haben wir der Erhaltung der Disziplin willen und aus katholischer Achtung vor der Staatsautorität strenge Weisung gegeben, die Polizeimaßnahmen zu befolgen. Bevor wir den in Ihrem Schreiben erwähnten Tatbestand als erwiesen hinnehmen, bedarf es der Beantwortung folgender Fragen:
1. Sind dem Leiter der Geheimen Staatspolizei Aachen die Trachten der katholischen Jugendverbände so bekannt, dass die Überschreitung des Verbotes unzweifelhaft feststeht?
2. Hat der Leiter der Geheimen Staatspolizeistelle Aachen in jedem Fall festgestellt, dass es sich um katholische Wanderer handelte und zwar aus Gebieten und in Gebieten, in denen das Tragen der Bundestracht verboten ist? Im Bezirk Trier war Pfingsten das Verbot noch nicht ausgesprochen. Ferner waren von der V.D.A.- Tagung, die ja auch die Maßnahmen des Herrn Oberpräsidenten und der Reichsregierung eine besondere Bedeutung erlangt hat, viele Saarländer in Kluft auf Fahrt durch die Eifel und Westdeutschland überhaupt.
3. Hat der Leiter der Geheimen Staatspolizeistelle Aachen die Gewissheit, dass es sich um Provokateure handelt. Wir haben den Fall bereits erlebt, wo Hitlerjungen sich verbotene Kluft beschafften, damit herumradelten und, als sie polizeilich gestellt und die Situation peinlich wurde, sie mit ihren Hitlerjugendausweisen auch aus der Klemme retteten.
Fahrtenmesser haben wir längst selbst vor der Existenz der HJ für unseren Mitglieder verboten, weil wir, was durch jüngste Zeitungsmeldungen bestätigt wird, darin ein höchst unpädagogisches Instrument sehen.
Bevor obige Fragen beantwortet sind, sehen wir uns außerstande, die im Schreiben gestellte Forderung einer erneuten Einwirkung zu erfüllen."
Am 11. Juni antwortet dann der Oberpräsident:
„Ich entnehme zu meinem Bedauern Ihrem Schreiben vom 1. Juni ds. Js., dass Sie in keiner Beziehung den Willen haben, an der Erhaltung und der Wiederherstellung des Friedens zwischen Staat und katholischer Kirche mitzuarbeiten, sondern - Ihrer grundsätzlichen inneren Einstellung nach - offenbar beabsichtigen, Ihre den nationalsozialistischen Staat grundsätzlich bekämpfende Arbeit auch in Zukunft fortzusetzen. Ihr Schreiben beweist mir erneut, dass Sie seit dem berüchtigten Anruf der katholischen Verbände vom Februar 1933 in keiner Beziehung etwas dazu gelernt haben.
Ich bedauere dies außerordentlich im Interesse der erforderlichen vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen Staat und katholischer, die für die Zukunft des deutschen Volkes von ganz besonderer Bedeutung ist."
Folge dieses Konflikts ist dann das Schreiben an den Kölner Erzbischof vom gleichen Tag, das von dessen Seite aber offenbar unbeantwortet bleibt und für Clemens keine unmittelbaren Konsequenzen zeitigt.