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Ereignisse
1934
April

Wuppertaler Geistlicher besorgt um die Jugend

Am 27. April 1934 wendet sich der Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde Wuppertal-Blombacherbach mit einem Bericht über das Verhältnis zwischen staatlichen Jugendorganisationen und der katholischen Jugend an das Generalvikariat in Köln. Der Zustand, so der besorgte Geistliche, werde zunehmend „unerträglich und unhaltbar". Weiter heißt es:

„Nicht nur, dass eine hemmungslose Werbung unter Entfachung der jugendlichen Instinkte erfolgt, das schlimmste ist die sogenannte Erziehung innerhalb der genannten Organisationen. Bei den älteren Jungens und Mädchen wirkt sich dies nicht nur auf die Masse verheerend aus, wie gerade bei jüngeren, meist noch schulpflichtigen Kindern.

Hier (wohl auch anderswo) mussten m u s s t e n die Lehrpersonen in allen Schulen, besonders auch in den Volksschulen, zum Geburtstag Hitlers für die Hitler-Jugend usw. werben, es Muss 'm u s s' zu drei verschiedenen Terminen über den Erfolg an die Schulverwaltung berichtet werden. Welcher Lehrer und welche Lehrerin und erst recht welche Junglehrkraft, die noch auf ihre Anstellung wartet, möchte nun keinen Erfolg zu melden haben? Es wird nach meiner Erfahrung wenigstens z. Zt. weniger unter den älteren Jahrgängen geworben - unter 'älter' ist dabei schon 16, 17 - jährig zu verstehen, als gerade bei den Jüngeren und besonders an den Schulen. Darin sehe ich eine nicht ernst genug einzuschätzende Gefahr. In diesen Kindern wird bewusst jede andere Autorität untergraben, ja die Kinder werden zu direkten Spitzeln erzogen und angehalten, über Lehrer und geistliche zu berichten. Sicherlich, die Eltern sind an allererster Stelle die Verantwortlichen, aber die Eltern sind oft genug aus irgendwelchen wirtschaftlichen Rücksichten gezwungen, ihre Kinder in die staatlichen Organisationen zu geben - siehe auch 'hemmungslose Werbung' im umfassendsten Sinne genommen. - Sind diese total urteilslosen Kinder aber einmal in Bewegung verfallen, dann behaupte ich, werden dieselben langsam aber sicher den Eltern, der Kirche, dem Einfluss des Seelsorgers, des gutmeinenden Lehrers entfremdet und entzogen, ja sogar erst misstrauisch und voreingenommen und gehässig und feindlich sich stellen. Die Folgen: Unübersehbar!

Man könnte ja sagen, auch diese 'Welle' muss sich auswirken und totlaufen und praktisch ad absurdum geführt werden, aber was wird dadurch zerschlagen und weggespült, was so leicht nicht mehr zurückgebracht u. aufgebaut werden kann. Es geht hier um mehr als um die Katholischen Jugendorganisationen. Es geht doch wahrhaftig darum, ob in unserem katholischen Volk Glaube und Sitte und Zucht und Ordnung und damit die Grundlagen der wirksamen religiösen Erziehung erhalten werden.

In der Bekämpfung wird ja eine positive Darlegung der Erziehungsziele und Mittel und ein Aufzeigen der zerstörenden Folgen einer falschen Erziehung immer wieder einzusetzen sein. Aber eine klare, reinliche Entscheidung und damit auch Scheidung gerade in den Jugendfragen des Konkordates wird doch immer dringender."

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