Pfarrer Klein aus Essen-Karnap wendet sich im Februar 1934 hilfesuchend an das Kölner Generalvikariat. Das Kircheblatt seiner Pfarrgemeinde, so teilt er am 13. Februar nach Köln mit, sei am Sonntag zuvor von der politischen Polizei beanstandet worden. „Auf Grund dieses Artikels erhielt ich eine polizeiliche Verwarnung und wurde mit 100 RM Zwangsgeld bestraft." Zudem habe die Essener National-Zeitung unter der Schlagzeile „Essener 'Katholisches Kirchenblatt' beschlagnahmt" am 10. Februar zu diesem Vorfall einen Artikel veröffentlicht. Darin heißt es unter anderem:
„Zentrumsgift eines Pastors von gestern. - Dass der größte Teil der Essener katholischen Geistlichkeit in dem gewaltigen ersten Regierungsjahr des Nationalsozialismus so gut wie nichts gelernt hat, beobachten wir schon lange. Dass sie aber in ihrem Hassgefühl gegen die neue Ordnung zu solch offener Unvorsichtigkeit treiben lassen würde", wie das nunmehr in der Pfarrgemeinde St. Marien in Essen-Karnap geschehen sei, habe man nicht für möglich gehalten. Im Kirchenblatt der Pfarrgemeinde sei unter der Rubrik 'pfarrgemeindliche Mitteilungen' folgende Sätze zu lesen gewesen:
„Über die Eingliederung der religiösen, konfessionellen Jugendverbände als Ganzes in die Deutsche Einheitsfront der Jugend schweben seit einigen Wochen zwischen den maßgebenden Instanzen Verhandlungen. Unsere katholischen Eltern wissen jetzt die Leute zu beurteilen, die mit dem ?? der Überzeugung durch die Straßen ziehen und fordern, die katholischen Jugendverbände hätten zu verschwinden, hätten keine Existenzberechtigung mehr, und besonders eine hinreichend bekannte Jugendzeitung überschlägt sich förmlich in Hetzereien und Beschimpfungen der katholischen Jugendbünde. Man vergleiche eine Nummer dieser Zeitung einmal mit dem 'Kranz' oder der 'Macht' oder sonst einer katholischen Jugendzeitschrift: - Ein Unterschied wie Nacht und Tag. Wenn diese Zeitung für ihre Ideen und die hinter ihr stehende Jugendvereinigung werben will, möge sie zunächst einen etwas anständigen, sagen wir besser christlichen Ton wählen. Sonnenwendfeiern, Verherrlichung von religiösen Freidenkern als ideale moderner Jugend, Hassgedichte gegen Andersdenkende sind jedenfalls kein Zeichen positiven Christentums. Katholische Jugendbünde haben 400 Jahre lang großes geleistet für Staat und Kirche, haben auf den Schlachtfeldern des Weltkrieges ihre nationale Gesinnung unter Beweis gestellt und haben nicht nötig jedem unreifen Jungen dasselbe täglich zu bekunden. Die Katholische Jugend ist es auch gewesen, die im Siebengebirge den Separatismus blutig zu Boden geschlagen hat, niemand anders. Das weiß jeder, der etwas Lebenserfahrung besitzt.
Wer die konfessionelle Schule bejaht, muss folgerichtig auch die konfessionellen Jugendvereine bejahen, weil sie ja auf der Arbeit der Schule aufbauen. Wer öffentlich angibt, in Deutschland gebe es in Zukunft weder katholische noch evangelische, sondern nur noch eine deutsche Jugend, fordert letzten Endes Aufhebung der konfessionellen Schule, Zerschlagung der beiden christlichen Kirchen um auf den Trümmern der beiden Konfessionskirchen die berüchtigte deutsche Einheitskirche zu errichten, wo allerdings vom wahren Christentum nicht mehr viel übrig bleibt."
Wie man gehört habe, so der westdeutsche Beobachter weiter, sei das Kirchenblatt aufgrund dieses Artikels sofort von der Polizei beschlagnahmt worden. Der verantwortliche Pastor Karl Klein habe zunächst eine strenge Verwarnung erhalten - „im Übrigen schwebt die Angelegenheit jetzt bei der Staatspolizeistelle in Düsseldorf". „Die Widerlegung der einzelnen Sätze wird Pastor Klein wohl von anderer Stelle erhalten. Wenn er jedoch Vergleiche ziehen will, sind wir jedoch gerne bereit, Zentrums-Jugendschriften der letzten drei Jahre denen der nationalsozialistischen Jugend gegenüberzustellen." Zudem habe man es „gewiss nicht nötig, von dieser Seite uns den Ton vorschreiben zu lassen", fährt der Artikel fort.
Am gleichen Tag erhält Pfarrer Klein auch Post vom Essener Polizeipräsidenten Zech. „Durch die kritisch gehässigen Ausführungen im Kirchenblatt der Pfarrgemiende St. Marien in Essen-Karnap gegen die Eingliederung der konfessionellen Jugendverbände in die Hitler-Jugend und gegen die Werbemethoden der Zeitschrift 'Die Fanfare'", so schreibt Zech, habe sich der Geistliche einer „Beeinflussung der katholischen Öffentlichkeit und der katholischen Jugend gegen die Hitler-Jugend als der Trägerin der nationalsozialistischen Jugenderziehung" schuldig gemacht und „sich damit im bewussten Gegensatz gestellt zu den Jugenderziehungsgrundsätzen des nationalsozialistischen Staates". „Ihr Verhalten ist geeignet, die Bestrebungen der reaktionären Staatsfeinde und letzten Endes sogar des Kommunismus zu fördern. Indem es so den ordnungsgemäßen Verlauf der nationalsozialistischen Erhebungsarbeit hemmt, verstößt es gegen die Sicherheit des Staates." Daher wird Klein auf Grundlage der Vorordnung zum Schutze von Staat und Volk mit einem Zwangsgeld in Höhe von 100 RM belegt. „Indem ich Ihnen die Wiederholung gleichartiger Hetzereien im Kircheblatt oder anderswo verbiete, drohe ich Ihnen hiermit die Verbüßung auch höheren Zwangsgeldes, unter Umständen auch die Verhängung der Zwangshaft für jeden künftigen Fall für Zuwiderhandlung gegen mein Verbot an." - Pfarrer Klein zahlte das Zwangsgeld umgehend.