Jungvolkler gehen Pfingsten nicht in die heilige Messe!
Ein katholischer Volksschullehrer teilt dem Generalvikar mit, dass er durch vorsichtiges Nachfragen erfahren habe, "dass diejenigen Jungvolkler, welche an den beiden Pfingsttagen eine Wanderung mit dem Zugführer H. aus Köln-Mülheim machten, an beiden Tagen nicht einer hl. Messe beigewohnt haben. Verschiedene Eltern sind darüber sehr empört und beklagten sich bei mir." H. sei früher Kommunist gewesen und erst 17 Jahre alt. Zudem habe er die Angehörigen seines Jungvolk-Zuges dazu angestiftet, in Liedern die Kirche zu verunglimpfen.
Der Pädagoge ist sichtlich hilflos: "In die jungen Seelen wird so ein Gift gesät, dass bestimmt eines Tages zur Entfaltung kommen muss. Wir Lehrer sind einfach machtlos!" Die in Kürze anstehende Bischofskonferenz, so der Wunsch des Schreibers, möge den Eltern durch einen "scharfen Aufruf" ins Gewissen reden, da diese schließlich dafür verantwortlich seien, dass ihre Kinder in die Kirche gehen. Den Lehrern sei leider vielfach der Mund verboten. Es wird erbeten, dass von der Kirche etwas "Durchgreifendes" geschehe.
Zudem berichtet der Lehrer, dass die Predigten in ganz Köln kontrolliert würden und dass Jugendliche, die sich auf Stellen bewerben, ihre Konfession angeben müssten.
Bezeichnend für die angespannte Lage ist zudem, dass der Absender anonym bleiben möchte, um keine Schwierigkeiten zu bekommen.
Generalvikar David kommentiert das Schreiben handschriftlich folgendermaßen: "Auch ich halte es für eines der dringensten Erfordernisse der Stunde, dass den Eltern autoritativ das Gewissen geschärft wird."