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Ereignisse
1934
Februar

Organisationen der Evangelischen Jugend Groß-Essen irrtümlicherweise aufgelöst

Nach der am 4. Februar 1934 vollzogenen Eingliederung der evangelischen Jugend Essens in die HJ reagiert die Gemeinde Essen-Altstadt, in der auch das Weigle-Haus liegt, umgehend. Am 7. Februar 1934 wendet sie sich an die Versandstelle der Zeitschrift „Junge Schar" in Wuppertal Barmen: „Laut Anordnung des Staates, der die Auflösung des Evangelischen Jugendwerkes befohlen hat, und der wir sofort nachgekommen sind, bestellen wir hiermit sämtliche Nummern der ‚Jungen Schar' und die anderen an uns gelieferten Zeitschriften ab. Der ausstehende Restbetrag wird Ihnen in den nächsten Tagen zugehen."

Auf der „Bundeshöhe", dem Sitz des Westbundes, ist man bemüht, die Wogen zu glätten und antwortet: „In Ihrem Brief ist ein Irrtum ausgesprochen, auf den ich Sie hinweisen möchte, damit diese falsche Meinung nicht unnötig weitere Kreise zieht. Wie dem Evangel. Jugendpfarramt Essen Altstadt aus verschiedenen Mitteilungen des Westdeutschen Jungmännerbundes bekannt sein dürfte, entspricht es nicht den Tatsachen,
1. dass der Staat die Auflösung des Evangelischen Jugendwerkes befohlen hat,
2. dass der Staat angeordnet hat, dass die Zeitschriften des evangelischen Jugendwerkes abzubestellen wären.
Diese Mitteilung nur zur freundlichen Berichtigung Ihrer Darstellungen und gleichfalls zur Berichtigung Ihrer Akten.".

Am 10. Februar 1934 schreibt auch Jugendpfarrer Busch sichtlich erzürnt und desillusioniert an den Westbund, er „habe die Organisationen der Gross-Essener Jugend und der Kreisverbindung Essen aufgelöst" und zugleich sein Amt niedergelegt. „Es wird nun Sache des Bundes sein, zur Neuordnung der bestehenden Trümmer einen neuen Mann zu ernennen."

Auch hier versucht man von Barmen aus zu beschwichtigen. Da die Kreisverbände satzungsgemäß eine Organisation des Westdeutschen Jungmännerbundes seien, so wird Wilhelm Busch mitgeteilt, und daher von diesem und nicht von den einzelnen Vereinen bezw. ihren Leitern bestimmt würden, habe er den Kreisverband Essen „zu Unrecht" aufgelöst. „Dieses Recht steht lediglich dem Westdeutschen Jungmännerbund zu. Wir bitten, von Ihrem Irrtum Kenntnis nehmen zu wollen und werden das entsprechende veranlassen, um größere Verwirrung zu vermeiden."

Gleichzeitig wendet sich der Westbund-Bundeswart Juhl an die Vereine im Kreisverband Essen, um die von Busch verkündete Auflösung als Irrtum zu erklären. Der Kreisverband bestehe weiter. „Um noch größere Verwirrung zu vermeiden, habe ich mit dem heutigen Tage Herrn Pfarrer Bachmann, Essen West, zum Kreisvorsitzenden des Essener Kreisverbandes ernannt und ihn gebeten, als solcher die noch in Essen auf dem Boden des Westdeutschen Jungmännerbundes bestehende evangelische Jugendarbeit zusammenzufassen und im Zusammenhang mit dem Bund in die richtigen Wege zu leiten". Abschließend bittet Juhl die Essener Vereine, Bachmann in seiner schwierigen Aufgabe zu unterstützen.

Bachmann selbst informiert die Vereine des Kreisverbandes am 17. Februar 1934 per Rundschreiben über den Stand der Dinge. Auf Juhls Bitte hin habe er das Amt des Kreisvorsitzenden übernommen, dabei aber erklärt, „dass ich mich dazu noch nicht äußern könne, dass ich aber bereit sei, als Vertrauensmann zu versuchen, was in Essen je nach Entwicklung der Lage für das Jungmännerwerk zu retten sei". Er persönlich halte auch unter den gegebenen Umständen „ein Aufhören der Jungmännerarbeit nicht für richtig", glaube aber, „dass wir den zukünftigen Weg hier in Essen erst noch besprechen müssen."

Entsprechend teilt Bachmann auch Juhl am 20. Februar 1934 seine beabsichtigte Strategie mit. „Es ist ja sehr freundlich von Ihnen, gleich Nägel mit Köpfen zu machen, aber in der Essener Situation ist meine Handlungsweise die einzig mögliche, zumal ich ja auch Ihnen nicht mehr zugesagt habe. Ich werde also zunächst einmal durch eine Aussprache der Vereine den Bestand feststellen und Ihnen vom Ausgang der Besprechung Mitteilung machen."

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