Überfälle auf evangelische Jugendliche
Nachdem sein Brief vom 5. Januar 1934 offenbar nicht gefruchtet hat, wendet sich Jugendpfarrer Wilhelm Busch am 31. Januar 1934 mit einem weiteren Schreiben an den Essener Polizeipräsidenten Zech. Hierin heißt es:
„Bei meinem letzten Besuch sprachen Sie den ausdrücklichen Wunsch aus, dass die evangelische Jugend sich nicht selber schützen solle. Sie erklärten, dass Sie gegen alle Übergriffe einschreiten wollten. Als Führer der evangelischen Jugend bin ich darum verpflichtet, Ihnen folgendes zu melden:
In Katernberg ist ein Gefolgschaftsführer J. der Hitler-Jugend, der in der unerhörtesten Weise die Volksgemeinschaft stört. (...) Am Montag zogen Scharen von kleinen Jungvolklern durch die Straßen von Katernberg und brüllten: ‚Eichenkreuz verrecke!' Am Tage vorher wurde der Schaukasten am Evangelischen Gemeindehaus demoliert. Außerdem wurden Jungen der evangelischen Jugend überfallen und verhauen. Am Dienstag, dem 30. Januar, teilte mir der Führer der Katernberger evangelischen Jugend mit, dass er vorläufig für eine Woche alle Zusammenkünfte abgesagt habe, um Zusammenstöße zu vermeiden. Jeder evangelische Junge, der als solcher erkannt wird, wird auf der Straße überfallen. Und von einer Hilfe der Polizei ist kaum etwas zu merken.
Ich hätte schon mit einem Trupp aus der Stadtmitte meinen Leuten in Katernberg Luft verschafft, aber ich möchte versprechungsgemäß Ihnen, sehr geehrter Herr Polizeipräsident, nicht vorgreifen.
Bis heute hat das Innenministerium noch keine Anweisung über das Schicksal der evangelischen Jugend gegeben. Sie werden darum verstehen, dass die evangelische Jugend weiter wie bisher ihren Dienst tut, ohne sich irgendwie beirren zu lassen. Es handelt sich, wie ich noch einmal betonen möchte, bei der evangelischen Jugend nicht um eine Organisation, die früher in irgend einer Weise Politik betrieben hätte, die dem Willen des heutigen Staates entgegengesetzt war. Im Gegenteil, die Mehrzahl der von uns erzogenen Jungen ist schon früher in die SA und SS eingetreten. Wir werden auch weiterhin alles tun, um jede Spannung zwischen Hitler-Jugend und unserer Jugend zu vermeiden. Ich habe nach der Seite hin meinen Leuten strengste Anweisung gegeben.
Aber eben darum bitte ich Sie, sehr geehrter Herr Polizeipräsident, dafür zu sorgen, dass unsere evangelische Jugend nicht entehrt wird."
Polizeipräsident Zech erledigte die Angelegenheit durch ein Telefonat mit Wilhelm Busch, über dessen Inhalt leider nichts mitgeteilt wird.