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Jüdische Welt-Rundschau (1939/40)

Die „Jüdische Welt-Rundschau“ (JWR) wurde in Jerusalem produziert, jedoch in Paris gedruckt, wo sie unter Chefredakteur Robert Weltsch seit dem 10. März 1939 auch in wöchentlichem Rhythmus erschien, und von wo aus das Blatt bis zu seiner durch den Einmarsch der Wehrmacht bedingten Einstellung bis Mai 1940 in über 60 Länder ausgeliefert wurde.

Verantwortet und gestaltet wurde die Zeitung von ehemaligen Vertretern der Zionistischen Vereinigung für Deutschland und Redakteuren der „Jüdischen Rundschau“, die nach dem Pogrom nach Palästina emigriert waren. Sie sollte als Forum dienen, um das herum sich die verstreuten jüdischen Emigranten sammeln und sich gegenseitig unterstützen sollten. Offener als das dem indirekten deutschen Vorgängerorgan „Jüdische Rundschau“ in Berlin möglich gewesen war, konnte die JWR von Jerusalem aus den nationalsozialistischen Antisemitismus bekämpfen. zugleich nahm die Redaktion aber auch Rücksicht auf die nach wie vor in Deutschland lebenden Juden, die auf eine Zusammenarbeit mit den deutschen Behörden wie der Reichszentrale für jüdische Auswanderung unter Leitung von Adolf Eichmann angewiesen waren.

Ziel und Zweck des neuen Blatts wurde auf der ersten Seite der ersten Nummer zum Ausdruck gebracht: „Nachdem das jüdische Zentrum in Deutschland verschwunden ist und von dort aus keine jüdische Zeitung die verbindende Funktion zwischen den deutschsprechenden Juden wieder aufnehmen kann, nimmt die ‚Jüdische Welt-Rundschau‘ diese Aufgabe auf sich."

Die JWR berichtete unter anderem über die zunehmend verzweifelte Lage der in Deutschland verbliebenen Juden, um zugleich als deutlicher Widerpart zum Antisemitismus die Kontinuität jüdischen Lebens in Palästina zu dokumentieren: „Die ‚Jüdische Welt-Rundschau‘ geht von Palästina aus“, hieß es dementsprechend. „Palästina und Diaspora sind zwei Tatsachen des jüdischen Lebens unserer Zeit.“ Das angestrebte Ziel war ambitioniert: „Die ‚Jüdische Welt-Rundschau‘ will den Juden das Gefühl des Zusammenhanges geben und ihnen ihre Sorgen tragen helfen.“

Einen wichtigen Schwerpunkt sahen die JWR-Verantwortlichen darin, die bis dahin weitgehend desinteressierte Weltöffentlichkeit über die schwierige, oftmals menschenunwürdige und permanent eskalierende Lage der Juden zu informieren und denen trotz aller Anfeindungen, Probleme und Notlagen ein größeres Selbstbewusstsein zu vermitteln. Die Zeitung wolle, so ließ sie ihre Leser wissen, „dazu beitragen der Welt ein Bild des neuen jüdischen Menschen unserer Zeit zu geben, des gequälten und gehetzten, aber auch des in Arbeit und Kampf gestählten, inmitten eines turbulenten Schicksals seiner Menschenwürde bewußten Juden“. Und weiter: „Sie tritt ein für Erez Israel, sie fordert die Hilfe der zivilisierten Völker bei der Einordnung der Juden in der Welt und bei der Heilung der Wunden der Katastrophe der letzten Jahre.“

Nachdem die JWR ihr Erscheinen hatte einstellen müssen, übernahm das „Mitteilungsblatt“ als deutschsprachige zionistische Wochenzeitung die Funktion der JWR zumindest für die in Palästina lebenden deutschen Einwanderer. Es wurde unter kriegsbedingt schwierigen Umständen auch nach Europa ausgeliefert. In New York entwickelte sich zeitgleich die Exilzeitung „Aufbau“ zu einem Sprachrohr der deutsch-jüdischen Emigranten in den USA.

Eine ausführlichere Darstellung der Geschichte der JWR und deren Wirkung finden Sie hier.

Die Zeitung wurde als Online Version von der RWTH Aachen erstellt. Online zugänglich ist sie zudem unter http://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/titleinfo/2424658 über die Goethe-Universität Frankfurt.

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