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Die „Endlösung der Judenfrage“

Zwischen September 1939 und Frühjahr 1942 konzipierten - abgestimmt auf den jeweiligen Kriegsverlauf - verschiedene Institutionen und Behörden im NS-Deutschland zahlreiche von ihnen so benannte Pläne zur „Lösung“ der „Judenfrage“, die oft nur in ersten Ansätzen durchdacht oder gar erprobt waren und deshalb teilweise schnell wieder zurückgenommen wurden. Obwohl sich die einzelnen Aktionen und Konzepte mitunter zeitlich überlagerten, kann man diese rund zweieinhalb Jahre in fünf Phasen einteilen:

- In der ersten Phase bis zum Frühsommer 1940 wurden in den besetzten Gebieten unter Federführung der SS Umsiedlungsprojekte in großem Maßstab in Angriff genommen, zugleich organisierte das Reichssicherheitshauptamt die ersten Deportationen von Juden aus dem sogenannten „Altreich“, dem Protektorat und Österreich in die besetzten polnischen Gebiete.

- Die militärischen Siege in Westeuropa ließen die deutsche Staatsführung zwischen dem Frühsommer und etwa November 1940 erstmals über eine gesamteuropäische „Lösung der Judenfrage“ durch Deportation aller Juden auf die Insel Madagaskar nachdenken.

- Mit dem Scheitern dieses Projekts und dem Beginn der Vorbereitungen für den Angriff auf die Sowjetunion setzte sich von Ende 1940 an die vage Vorstellung einer „territorialen Endlösung“ durch. Die europäischen Juden sollten nun nicht mehr nach Madagaskar, sondern in die neu zu erobernden Ostgebiete deportiert werden. In dieser Phase tauchte der Begriff der „Endlösung der Judenfrage“ immer häufiger in den Plänen auf, ohne dass damit bereits der systematische Massenmord gemeint sein musste. Jedoch war bei beiden „territorialen Lösungen“ der Tod einer großen Zahl von Jüdinnen und Juden bereits einkalkuliert.

- Die entscheidende Radikalisierung aber erfolgte mit dem Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941: Bereits in den ersten Tagen des Vernichtungskriegs begannen Einsatzgruppen und Polizeieinheiten damit, in den besetzten sowjetischen Gebieten Tausende jüdische Männer zu erschießen. Im August gingen sie dazu über, auch Frauen und Kinder zu ermorden. In dieser Phase stimmte Hitler schließlich auch zu, die Juden im Reich zu kennzeichnen und sie entgegen seinem ursprünglichen Plan doch schon während des Kriegs in den Osten zu deportieren.

- Vom Herbst 1941 bis zum Frühjahr 1942 konkretisierte sich innerhalb der nationalsozialistischen Führung die Entscheidung zur systematischen Deportation und Ermordung von Millionen europäischen Juden. Sie mündeten im Holocaust.

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