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Die „Kleine Festung“

Bei aller räumlichen Nähe waren das in der großen Garnison angesiedelte Getto und der bereits im Juni 1940 eingerichtete, der Behörde in Prag unterstehende Gestapositz mit „Polizeigefängnis“ oder „Gestapohaftlager“ in der „Kleinen Festung“ zwei deutlich zu trennende Bereiche. In Letzterer wurden überwiegend tschechische politische Gefangene inhaftiert, wobei sie entweder als temporäres Arbeitserziehungslager oder als eine Art Durchgangsstation auf dem Weg in andere Gefängnisse und Konzentrationslager im Reichsgebiet diente.

Insgesamt durchliefen 27.000 Männer und 5.000 Frauen das Gestapogefängnis in der „kleinen Festung“. Die durchschnittliche Belegstärke betrug 1940 rund 150 Gefangene, danach stieg sie über 600 (1941) und 1.200 (1942 und 1943) auf schließlich 2.000 Gefangene (1944) an. In der letzten Phase der NS-Herrschaft waren hier dann sogar bis zu 5.500 Häftlinge untergebracht.

Für jüdische Bewohner des Gettos bedeutete eine Vorladung in die „Kleine Festung“ nie Gutes und zumeist den Tod. Viele von ihnen starben bereits unmittelbar nach ihrer Einlieferung, die häufig mit brutalen Spießrutenläufen verbunden war. Häufig war es auch die Lagerkommandantur des Gettos, die Bewohner wegen Vergehen gegen die strenge Lagerordnung an die Gestapo überwies.

Besonders dramatisch war die Ankunft eines offenbar fehlgeleiteten Transports mit Jüdinnen und Juden aus Köln Anfang Oktober 1944, der statt ins Getto zu fahren die „Kleine Festung“ ansteuerte. Ein überlebender Gestapo-Häftling jener Tage schilderte später die Torturen der Neuankömmlinge: „Sie mußten sich mit der Stirn zur Wand stellen und dann fing es an. Die drei Anwesenden begannen sie mit allem zu schlagen, was zur Hand war - Stöcken, Fäusten und auch Ketten.“ Auf diese bestialische Weise waren bis Ende des Jahres sämtliche 24 Männer des Transports ermordet. Von den 50 registrierten Jüdinnen starben elf ebenfalls in der „Kleinen Festung“, und nur wenige von ihnen überlebten bis zum Frühjahr 1945.[1]

Fußnoten

[1] Zitiert nach Verfolgung und Ermordung, Bd. 11, S. 57f. gl. ausführlicher auch Benz, Theresienstadt, S. 22ff.

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