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Kultur

Aus den von Deportierten mitgebrachten Büchern begann man im Oktober 1942, eine Leihbücherei mit Leseraum aufzubauen, was das kulturelle Leben der Internierten erheblich bereicherte. Die Sammlung wuchs von einem Grundstock von 4.000 Bänden über 48.710 Bände Mitte November 1943 schließlich auf rund 120.000 an, und die Lesestube wurde täglich von durchschnittlich 110 Personen besucht. Wie so vieles in Theresienstadt blieb aber auch diese Einrichtung in weiten Teilen eine reine Inszenierung im Rahmen des von der SS geplanten - und noch näher vorzustellenden - Propagandatheaters von einer „jüdischen Mustersiedlung“.

Andererseits gilt es festzuhalten, dass sich Theresienstadt in vielerlei Hinsicht von anderen Orten einer zwangsweisen Unterbringung unterschied. Die dortige, sich unter anderen auch aus zahlreichen jüdischen Intellektuellen, Künstlern und Wissenschaftlern formierende Häftlingsgesellschaft bildete durchaus einen einzigartigen kulturellen Kosmos, der sich ab 1942 auch in Teilen der „Freizeitgestaltung“ niederschlug und in deren Rahmen teilweise professionelles Personal sogar Theaterstücke und selbst Opern aufführte. Im Dezember 1942 wurde das „Kaffeehaus“ am „Stadtplatz“ eingerichtet, wo ein Orchester täglich im Pavillon konzertierte. In der Folge wuchs die Zahl der Bühnen, Vortragsräume und Konzertsäle ebenso an wie die Zahl der Zuschauer und die Vielfalt des Programms.

Wichtig für die Überlieferungsgeschichte Theresienstadts wurden auch jene Maler, Zeichner und Grafiker, die sich im Geheimen als visuelle Chronisten des Gettoalltags betätigten und so wichtige Aspekte für die Nachwelt dokumentierten. Sie gingen dabei mit großer Vorsicht vor, was einige von ihnen aber nicht vor Verhaftung, Haft und Ermordung schützte. Bedřich Fritta war einer dieser Künstler.

Ohnehin verstanden und erlebten viele Getto-Bewohner ihr kulturelles Schaffen oft auch als bewusste Akte des Widerstands: „Wie oft haben wir unseren Trotz und Widerstandswillen hinausgesungen und den Menschen Kraft zum Aushalten gegeben“, formulierte es im Frühjahr 1943 Karel Bermans. Aber selbst, wenn eine kulturelle Betätigung nicht zwangsläufig als widerständigen Handelns gelten muss, so steht doch fest, dass jede noch so kleine Veranstaltung den im Elend Dahinvegetierenden zumindest temporär ein Stück ihrer Würde wiedergeben konnte. Dass es den Getto-Bewohnern das immer schwierigere Überleben erleichterte, war der eigentliche und tiefere Sinn jedes Kulturschaffens.

Theresienstadt war und blieb jedoch alles andere als ein bevorzugter Ort, an dem deutsche Jüdinnen und Juden diskutierten und musizierten, malten und philosophierten, sondern es stellte, wie viele andere Gettos und Lager auch und völlig konträr zu den Behauptungen der NS-Propaganda, den Rahmen für einen unmenschlichen Aufenthalt dar.

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