Arbeit
Es gab durchaus Bereiche, in denen Theresienstadt einem Konzentrationslager glich. Das traf insbesondere auf den „Arbeitseinsatz“ zu. Bereits am 22. Februar 1942 kam eine erste Gruppe von 100 Getto-Bewohnern - zu diesem Zeitpunkt überwiegend junge tschechische Juden - in den rund 50 km entfernten Bergwerken in Kladno zum Einsatz, denen am 16. März eine zweite Gruppe von 200 Männern folgte. Der dortige Arbeitseinsatz von Theresienstädter Zwangsarbeitern endete erst im Juli 1943. Von April 1942 bis August 1943 arbeiteten 100 weitere Männer aus Theresienstadt im Rossitzer Bergbau, während zum größten Arbeitseinsatz im Getto rund 1.000 Frauen in die Wälder von Krivoklát (Pürglitz) entsandt wurden, um dort Bäume auf ein von ihnen zuvor vorbereitetes Gelände zu pflanzen.
Aber auch im Getto selbst wurde natürlich gearbeitet. Die hierzu verordnete Arbeitszeit betrug täglich zehn Stunden mit einem gleitenden freien Tag pro Woche. Neben den verschiedenen Pflegediensten zur Betreuung von Neuankömmlingen und der Beschäftigung in der Gettoverwaltung gab es in Theresienstadt Werkstätten, die vorrangig für den internen Bedarf produzierten: So stellte die Tischlerei tausende Stockbetten, Tische, Stühle und Regale für die Unterkünfte, Krankenhäuser und Betriebe des Gettos her, während die Bäckerei pro Tag 16.000 Kilogramm Brot produzierte. In einer Werkstatt mit 800 Beschäftigten wurden Kleider und Schuhe repariert und aus Altmaterial auch neue hergestellt, in einer weiteren Verbandszeug für die Gettokrankenhäuser produziert. In weiteren kleinen Werkstätten wurden Seifenersatz produziert, orthopädische Hilfen konstruiert, Brillen und Uhren repariert. Im Gegensatz zu den großen Gettos auf polnischem Boden spielte die Produktion für Auftraggeber von außerhalb in Theresienstadt allerdings keine bedeutende Rolle.
Arbeit, das erwies sich bald, wurde aber auch hier eine zunehmend wichtigere Voraussetzung für das eigene Überleben, wobei körperliche Anstrengungen mit den katastrophalen Lebensbedingungen, den Versorgungsverhältnissen und der daraus resultierenden körperlichen Schwäche und Krankheiten allerdings nicht in Einklang zu bringen waren. Entgegen aller widrigen Voraussetzungen versuchten aber sämtliche Getto-Bewohner unter allen Umständen zu arbeiten. Die damals bereits 65-jährige Martha Glass aus Hamburg notierte hierzu in ihrem Tagebuch: „Ich selbst hätte zu gerne eine mir zusagende Arbeit, kann aber in meinem Alter nichts mehr finden. Nur Arbeitende sind hier Menschen, bekommen extra Rationen, Bäder usw. Alle alten Leute sind überflüssig und sollten verrecken. Wie lange werde ich es aushalten!!!!“[1]
Fußnoten
[1] Zitiert nach Hájková, Jüdinnen, S. 209.