Schikane, Verbote und Überwachung
Zur Lebenswirklichkeit in Theresienstadt zählte vom ersten Schritt an auch eine permanente Schikanierung der Bewohner. Das begann mit der geradezu festgeschriebenen Beraubung der Neuankömmlinge in der „Schleuse“, wo große Teile ihres persönlichen Besitzes konfisziert wurden, und endete erst mit dem Tod, mit dessen Eintreten schließlich auch die allerletzte individuelle Habe der Gettoverwaltung in die stets gierigen Hände fiel. Im Zeitraum dazwischen mussten immer wieder plötzlich als verboten geltende Gegenstände abgeliefert werden. Auch gestohlen wurde in Theresienstadt permanent, was angesichts der existenziellen Nöte jedes einzelnen Bewohners nicht verwundern kann.
Der Gettoalltag war zudem mit immer neuen Verboten gepflastert, die stets Ausfluss reiner Schikane waren, wie etwa die völlig sinnlosen Verbote, zu rauchen, Papierschnitzel wegzuwerfen, auszuspucken oder vergleichbare Lapalien. Beliebt waren auch Kollektivstrafen wie beispielsweise Ausgehverbote, Lichtsperre oder das Untersagen kultureller und anderer Veranstaltungen für eine kürzere oder längere Zeit, die der Willkür des Kommandanten oder anderer SS-Leute entsprangen und die in Theresienstadt zusammengeschlossene Zwangsgemeinschaft immer wieder empfindlich trafen.
Für die Einhaltung der Vorschriften und Verbote zeichneten die Männer der „Gettowache“ verantwortlich. Diese seit Dezember 1941 bestehende jüdische Polizei wurde jedoch im Mai 1942 offiziell wieder aufgelöst, weil die SS fürchtete, dass sich aus der wenig schlagkräftigen Truppe Widerstandsaktivitäten entwickeln könnten. Die Konsequenz hieraus war aber lediglich eine formale Änderung von deren Bezeichnung in „Ordnerwache“, während sich ansonsten faktisch so gut wie nichts änderte. Die Pseudo-Polizei unterstand der jüdischen Selbstverwaltung, war mit sehr bescheidenen Kompetenzen ausgestattet und machte aufgrund ihrer, aus einer über der Zivilkleidung getragenen Schärpe bestehenden „Uniform“ auch keineswegs einen respekt- oder gar angsteinflößenden Eindruck. Die „Bewaffnung“ dieser Einheiten bestand - auch das ins Bild passend - aus Trillerpfeife und Taschenlampe.