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Einrichtung und Organisation

Es deutet einiges darauf hin, dass Gauleiter Greiser im Sommer 1941 von höchster Stelle die Zustimmung dafür erhielt, im „Reichsgau Wartheland“ 100.000 als „arbeitsunfähig“ geltende ortsansässiger Jüdinnen und Juden zu ermorden, um die anschließende Deportation Tausender weiterer Verfolgter aus dem Reichsgebiet, Prag, Wien und Luxemburg ins Getto Litzmannstadt zu ermöglichen. Daraufhin machten sich Angehörige des „SS-Sonderkommandos Lange“ auf die Suche nach einem geeigneten Ort für ein solches Vernichtungslager und traf im Oktober 1941 im kleinen, etwa 55 Kilometer nordwestlich von Litzmannstadt gelegenen Dörfchen Chełmno ein, das nach der deutschen Besetzung in Kulmhof umbenannt worden war. Das 300-Seelen-Dorf lag abgeschieden, war aber dennoch gut zu erreichen. Es bestand aus etwa 40 kleinen Häusern sowie 12 größeren Höfe, die bereits zu dieser Zeit von neu angesiedelten „Volksdeutschen“ aus Wolhynien bewirtschaftet wurden.

Am 1. Oktober einigten sich das Landratsamt Warthbrücken (ehemals: Koło) und das Sonderkommando Lange auf die Pacht eines kleinen Teils des Kreisgärtnereigeländes in Kulmhof, womit die Entscheidung gefallen und das Sonderkommando stationär geworden war. Auf dem Gelände gab es ein leer stehendes Herrenhaus („Schloss“), das nun bis November 1941 für den Massenmord umgebaut wurde. Das Gesamtlager bestand schließlich aus zwei völlig getrennten Teilen: Dem Lager rund um das „Schloss“ und dem in der Nähe liegenden „Waldlager“ im Rzuchowski-Wald, in dem Massengräber und Verbrennungsplätze angelegt wurden.

Die Abläufe im Rahmen der Tötungsmaschinerie waren vergleichsweise einfach organsiert: Die Transporte kamen vorwiegend mit dem Zug am Bahnhof Koło an. Deren Insassen wurden von dort mit Lastwagen zum „Schloss“ gebracht, wo man den Ankommenden versicherte, sie kämen anschließend in ein Arbeitslager. Zunächst jedoch sollten sie zum Baden, während zeitgleich ihre Kleidung desinfiziert würde. Stattdessen wurden sie umgehend ermordet.

Die Massentötungen wurden jedoch nicht in gemauerten Gaskammern ausgeführt, sondern in mobilen „Gaswagen“, die bereits im Rahmen der „T-4-Aktion“ zum Einsatz gekommen, dort erprobt und dann weiterentwickelt worden waren.

Kulmhof war und ist als Vernichtungslager nur war schwer einzuordnen: Anders als vergleichbare Mordstätten lag es weder inmitten eines bewachten, größeren Interessengebiets der SS, noch war der Lagerbereich nach außen hermetisch durch Stacheldraht und Warnschildern abgegrenzt. Das Morden wurde anschließend zwar nicht vor aller Augen begangen, dennoch lag der Tatort aber mitten im Ort, in dem die Täter auch untergebracht waren. Auch Verwaltung und Kantine waren Bestandteile des Dorfes. Täter und Anwohner begegneten sich daher täglich, während erstere mit einfachsten, ja primitiven Mitteln Menschen in zuvor unvorstellbarem Ausmaß ermordeten. Das war im Dorf allen bekannt, weshalb die dort über Monate den gleichen weg fahrenden „Gaswagen“ von den polnischen Einwohnern als „Höllenautos“ bezeichnet wurden

Außerdem stand Kulmhof im Unterschied zu den späteren Vernichtungslagern der „Aktion Reinhardt“, zu Auschwitz-Birkenau oder Maly Trostinez nicht unter der alleinigen Befehlsgewalt der SS oder der Sicherheitspolizei, denn NSDAP-Gauleiter Greiser hatte zwei seiner leitenden Mitarbeiter zu verantwortlichen Organisatoren des Massenmordes ernannt.

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