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Kultur

Das reiche kulturelle Leben der jüdischen Gemeinschaft existierte im Getto weiter, wo es allerdings den neuen Bedingungen angepasst werden musste. In seiner Bedeutung für die dort Internierten können die kulturellen Angebote kaum überschätzt werden. Die im Getto lebenden Künstler gaben Symphoniekonzerte und führten Theaterstücke und Revuen auf. Im Oktober 1940 wurde eine „Kulturgesellschaft“ ins Leben gerufen. Seit Februar 1941 wurden auch sämtliche Aktivitäten auf diesem Sektor von Chaim Rumkowskis kontrolliert.

Ein Kino mit mehr als 400 Sitzplätzen wurde nun zum „Kulturhaus“, in dem seit Mitte November 1941 Theateraufführungen, Konzerte, Ausstellungen und Revuen mit 60 registrierten Musikern, Sängern und Schauspielern sowie zehn Malern stattfanden. Bis Ende 1941 hatte es bereits 85 Theateraufführungen gegeben, zu denen mehr als 70.000 Besucher strömten und so zumindest kurzfristig eine Gegenwelt zur tristen Realität erleben konnten. Auch die Musik ermöglichte es den Menschen im Getto, zumindest für einen Moment dem schier unerträglichen Alltag zu entfliehen. Die große Bedeutung von Büchern zur Ablenkung verdeutlichte die Existenz von Bibliotheken, durch die die zunehmend verarmte Bevölkerung, die sich selbst ihr Essen nicht mehr leisten konnte, in die Lage versetzt wurde, zumindest geistige Nahrung zu konsumieren.

Da sich ab Frühjahr 1942 kein Getto-Bewohner mehr seines Lebens sicher sein konnte, schufen sich die Menschen mittels der Kultur eine Gegenwelt zu Leid und Tod. Über einen Konzertabend im Juli 1942, der in einer Phase stattfand, in der „Aussiedlungen“ befürchtet wurden und zugleich beunruhigende Berichte von außen ins Getto drangen, umriss Oskar Rosenfeld ein zentrales Moment von Konzerten und anderer Kulturveranstaltungen: „Man fühlte geradezu körperlich die Vision künftiger Erlösung.“[1]

Fußnoten

[1] Zitiert nach Löw, Juden, S. 428ff.

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