Das Getto Litzmannstadt
Die polnische Stadt Łódź wurde am 8. September 1939 von deutschen Truppen besetzt und anschließend in den neu geschaffenen „Reichsgau Wartheland“ und damit ins Reichsgebiet eingegliedert.[1] Am 11. April 1940 wurde die Stadt in Litzmannstadt umbenannt.
Für die Juden der Stadt richteten die deutschen Besatzer im Frühjahr 1940 ein Getto ein, das mit über 160.000 Insassen das mit Abstand größte im Warthegau und hinter Warschau das zweitgrößte Getto überhaupt wurde. In dieses erste und auf Dauer einzige große Getto auf - annektiertem - Reichsgebiet wurden ab Oktober 1941 dann auch Tausende Jüdinnen und Juden aus „Großdeutschland“, der Tschechoslowakei und aus Luxemburg deportiert.
Aufgrund der extrem schlechten Arbeits- und Lebensbedingungen, ab 1942 dann auch durch immer neue Selektionen - die dabei als „arbeitsunfähig“ Ausgewählten wurden im Vernichtungslager Kulmhof (Chełmno) ermordet - reduzierte sich die Zahl der Gettoinsassen. Das Getto selbst wurde seit Sommer 1944 als letztes seiner Art von NS-Seite aufgelöst und am 19. Januar 1945 von der Roten Armee befreit.
Es stellt unter den im besetzten Osteuropa errichteten Gettos aufgrund seiner mehr als vierjährigen Existenz, seiner Größe, seinem ungewöhnlich differenzierten Ausbau der innerjüdischen Verwaltung und des Ausmaßes seiner Einbindung in die deutsche Industrie und Kriegswirtschaft einen Sonderfall dar.
Fußnoten
[1] Die folgende Darstellung fußt wesentlich auf Löw, Juden. Hinzugezogen wurden außerdem Löw, Öde, Loose, Vernichtungslager, Gottwaldt/Schulle, Judendeportationen, https://de.wikipedia.org/wiki/Getto_Litzmannstadt, https://www.juedischesmuseum.de/erkunden/dokumente-fotografien/detail/farbdias-der-deutschen-gettoverwaltung-in-Łódź /, https://www.zukunft-braucht-erinnerung.de/das-deutsche-Getto-litzmannstadt-im-polnischen-lodz/ und https://www.memorialmuseums.org/denkmaeler/view/1436/Bahnhof-Radegast-%E2%80%93-Holocaustdenkmal-Getto-Łódź . Die grundlegende Studie von Andrea Löw mit ihrer „Fokussierung auf die Innensicht des Gettos“ (Löw, Juden, S. 25) ermöglicht besonders tiefe Einblicke in die Struktur und die Lebensbedingungen des Gettos Litzmannstadt. Es wird an dieser Stelle allerdings weitgehend darauf verzichtet, die Lage der ortsansässigen jüdischen Bevölkerung vor der Einrichtung des Gettos und dem Beginn der Deportationen ausführlich in die Darstellung einzubeziehen. Vgl. auch dazu ebenfalls sie umfassende Darstellung von Andrea Löw.