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„Enterdung“ durch die „Sonderaktion 1005“

Bereits im Juni 1942 beauftragte Heinrich Himmler den SS-Standartenführer Paul Blobel, alle Spuren der von NS-Seite begangenen Massenmorde im Osten zu beseitigen. Der rief daraufhin das „Sonderkommandos 1005“ ins Leben, um die in ungezählten Massengräbern verscharrten Leichen zu exhumieren und zu verbrennen. Seinen ersten Einsatz hatte das Sonderkommando Ende September 1943 in Babi Yar in der Ukraine.

In Maly Trostinez begann der Versuch der Spurenbeseitigung am 27. Oktober 1943, eine Woche nach der Ermordung der letzten Gefangenen des Getto Minsk und nachdem die Lagerleitung Verstärkung durch Polizei-Einheiten und 100 jüdische Häftlinge für die Exhumierungen und Einäscherung der Ermordeten erhalten hatte. Da letztere sich weigerten, diese grauenvolle Tätigkeit auszuüben, wurden sie kurzerhand in zwei „Gaswagen“ umgebracht. An ihrer Stelle sollte danach eine Gruppe von Gefängnisinsassen aus Minsk die Tätigkeit übernehmen, denen man dafür Freiheit versprach.

Insgesamt wurden im Wald von Blagowschtschina die Massengräber geöffnet und Tausende von Leichen zu Scheiterhaufen gestapelt und anschließend verbrannt. Daraufhin wurde die Asche nach Zahn- und Schmuckgold durchsiebt und schließlich als Dünger auf den Feldern des Lagers verstreut. Spätestens am 16. Dezember 1943 wurde diese Spurenverwischung beendet und die daran beteiligten Arbeiter entgegen aller Versprechungen als unliebsame Zeugen ebenfalls in Gaswagen ermordet und verbrannt. Das war ein im Rahmen der Aktionen von „Sonderkommando 1005“ übliches Verfahren.

Da der Wald während der „Enterdungsaktion“ nicht als Exekutionsort zur Verfügung stand, wurde etwa 500 Meter entfernt von Maly Trostenez ein zusätzlicher, allerdings kleinerer Exekutionsort im Wald von Schaschkowka eingerichtet, indem ein drei Meter hoher Holzzaun errichtet und dahinter eine vier Meter tiefe Grube ausgehoben wurde, in der man ein primitives Krematorium errichtete. Hierzu wurde ein eiserner Rost auf sechs zehn Meter lange Eisenbahnschienen gelegt. Die Wände der Grube wurden auf drei Seiten mit Eisenplatten stabilisierte, während die vierte offen blieb und als eine Art Rampe diente. Diese nutzten die Gaswagen, um die zuvor getöteten Opfer zur Verbrennung zu entladen. Auch die 30 jüdischen Häftlinge, die diese Einrichtung errichtet hatten, wurden nach Abschluss des Mordens direkt erschossen und in der von ihnen errichteten Anlage verbrannt. Ein nahe gelegener Teich diente zum Reinigen der Gaswagen, bevor sie nach Minsk zurückkehrten. - Die „Sonderaktion 1005“ wurde am Standort Maly Trostenez im April 1944 abgeschlossen.[1]

 

Fußnoten

[1] Vgl. hierzu https://de.wikipedia.org/wiki/Vernichtungslager_Maly_Trostinez#Spurenbeseitigung (22.9.2021).

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