Auflösung und Ende
Als Anfang Februar 1943 zwei dort bislang unbekannte Deutsche im Getto auftauchten und diese von früheren Einwohnern der nahe gelegenen Stadt Slutzk als Adolf Rübe und dessen Assistent Michelson identifiziert worden waren, wurde das als untrügliches Zeichen der bevorstehenden Liquidierung des Gettos gedeutet. Zunächst aber terrorisierten Rübe und Michelson in Kooperation mit Polizeichef Bunge das Getto. Schießereien wurden so alltäglich, dass sich kaum noch jemand auf die Straße wagte.
Das alles waren Auswüchse der im Frühjahr 1943 einsetzenden und dann fortschreitenden Selektion und Ermordung von „Arbeitsunfähigen“, die dann spätestens ab April systematisiert wurden, als die Ausgewählten in größeren Gruppen bei Maly Trostinez in Gaswagen erstickt wurden. Solchen „Aktionen“ fielen allein zwischen dem 13. April und dem 31. Mai 1943 insgesamt 516 deutsche und weißrussische Jüdinnen und Juden zum Opfer. Die Zahl der Getto-Bewohner, die im April noch rund 8.500 betragen haben soll, ging daher kontinuierlich zurück und betrug im Sommer 1943 noch zwischen geschätzten 6.000 und 8.000.
Ab Juni 1943 begannen Sicherheitspolizei und Sicherheitsdienst dann damit, ganze jüdische Arbeitskolonnen zu ermorden, bis am 21. Juni schließlich Himmlers Befehl zur Auflösung der Gettos im „Ostland“ erging: Arbeitsfähige Häftlinge sollten in Konzentrationslager verlegt, alle übrigen liquidiert werden. Daraufhin begann im August 1943 die mehrwöchige Phase der endgültigen Auflösung des Gettos Minsk.
Am 14. September 1943 wurde ein Transport mit 300 jungen deutschen Juden sowie 480 Insassen aus dem Arbeitslager von Maly Trostenez nach Majdanek geschickt. Die meisten der auf knapp 2.000 geschätzten zurückbleibenden Jüdinnen und Juden aus dem Reichsgebiet wurden vermutlich noch am gleichen Tag im Wald von Blagowschtschina erschossen oder in Gaswagen ermordet. Anschließend trieb die SS weißrussische Jüdinnen und Juden in die Schirokaja-Straße zusammen, um nach Schätzungen mindestens 2.000 von ihnen nach Selektionen in drei Transporten ab dem 18. September nach Sobibor und Auschwitz zu deportieren.
Zwischen dem 21. und 23. Oktober räumten Sicherheitspolizei und Sicherheitsdienst das Minsker Getto dann endgültig. Die zu diesem Zeitpunkt noch lebenden 1.000 bis 2.000 Bewohner ermordeten sie ebenfalls im Wald von Blagowschtschina.
Trotz all dieser Maßnahmen lebten auch danach noch einige Jüdinnen und Juden in und um Minsk. Die meisten waren im sogenannten „kleinen Getto“ in einer Radiofabrik untergebracht, die der Luftwaffe unterstand. Beim deutschen Rückzug wurden diese jüdischen Arbeitskräfte seitens der Wehrmacht mit in Richtung Westen genommen und kamen schließlich mehrheitlich nach Bergen-Belsen.
Die Rote Armee befreite Minsk am 3. Juli 1944, wobei es nur noch wenige Angehörige der ehemals so großen jüdischen Gemeinde waren, die ihre Befreier begrüßen konnten.