Besetzung und Besatzung
Minsk, die Hauptstadt Weißrusslands, stellte im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein bedeutendes Zentrum jüdischen Lebens dar. 1926 lebten dort fast 54.000, 1939 dann um 59.000 und Mitte 1941 durch Zuzug von aus Polen Geflohener schließlich rund 80.000 Jüdinnen und Juden, die damit ein Drittel der 1939 auf knapp 240.000 bezifferten Gesamteinwohnerschaft stellten.
Nachdem Minsk im Rahmen einer Kesselschlacht und durch deutsche Luftangriffe zu rund 80 Prozent zerstört worden und ohne Strom- und Wasserversorgung war, wurde die Stadt am 28. Juni 1941, also bereits sechs Tage nach Beginn des Überfalls auf die Sowjetunion, von deutschen Truppen besetzt.[1] Aufgrund des schnell deutschen Vormarschs gelang nur wenigen Angehörigen der jüdischen Bevölkerung die frühzeitige Flucht.
Unmittelbar nach ihrer Ankunft begannen die deutschen Besatzer mit ihrem Wüten und Morden und brachten täglich und weitgehend willkürlich hunderte von Minsker Jüdinnen und Juden um. Im Rahmen gezielter „Aktionen“ sollen allein am 14., 26. und 31. August 1941 etwa 5.000 Jüdinnen und Juden zusammengetrieben, die anschließend einfach „verschwanden“. Die SS hatte sie nicht etwa zum Arbeitseinsatz gebracht, sondern erschossen.
Ab dem 13. Juli 1941 wurden sie dann unter Androhung der Todesstrafe dazu gezwungen, ein gelbes Abzeichen auf der Brust und auf dem Rücken sowie einen weißen Aufnäher mit der jeweiligen Hausnummer auf der Brust zu tragen. Nahezu zeitgleich wurde von deutscher Seite ein „Judenrat“ ernannt, dessen erste Aufgabe darin bestand, die gesamte jüdische Bevölkerung zu registrieren. Das Gremium hatte sich danach im Auftrag und unter genauer Beobachtung der Besatzer um sämtliche administrativen Angelegenheiten, die die jüdische Bevölkerung betrafen, zu kümmern. Zu seinen Aufgaben zählte es auch, den reibungslosen Ablauf der Errichtung des Minsker Gettos zu gewährleisten.
Fußnoten
[1] Vgl. hierzu http://www2.hu-berlin.de/berlin-minsk/static/minsk.html (20.9.2021).