Ermordung
Die Vernichtung von Leben erfolgte im Konzentrationslager Majdanek auf unterschiedliche Art und Weise. Ohne aktives Eingreifen der SS hatten allein schon die katastrophalen Lebens- und Hygienebedingungen einen erheblichen Anteil am Leider der Insassen und sorgten in kurzer Zeit für eine extrem hohe Sterblichkeit. Hinzu kam der Terror der SS-Aufseher und auch einiger „Funktionshäftlinge“, die dazu führten, dass Schläge und bestialische Folter in vielen Arbeitskommandos und Baracken an der Tagesordnung waren. So wurde ein großer Teil der Ermordeten zu Opfern reiner Willkür und Brutalität. Es waren gerade auch zahlreiche der „Kapos“, die - häufig ohne jeden Grund oder zum Zweck der Bereicherung - die ihnen unterstellten jüdischen Häftlinge totschlugen, in Löschwasserbecken oder Kloaken ertränkten oder - gegenüber der SS so einen Selbstmord vortäuschend - in den Baracken aufhängten.
Die Mehrzahl der in das Konzentrationslager in Lublin deportierten Juden fiel jedoch der Massenvernichtung durch Erschießungen oder Vergasungen zum Opfer.
Erschießungen fanden während der gesamten Existenz von Majdanek statt, nahmen allerdings mit Inbetriebnahme der Gaskammern ab Herbst 1942 ab. Zum ersten Mal wurden Ende 1941 sowjetische Kriegsgefangene erschossen, von Juni bis September 1942 im Wald von Krepiec dann auch kranke Häftlinge. Ein Jahr später wurden, nachdem der Betrieb der Gaskammern eingestellt worden war, am 21. September 1943 auch jene 23 Häftlinge erschossen, die das dort tätige Arbeitskommando gestellt hatten.
Von April bis August 1943 wurden nahezu alle in Majdanek eintreffenden jüdischen Deportierten zunächst nach den Kriterien „arbeitsfähig“ und „nicht arbeitsfähig“ selektiert und die weitaus meisten direkt anschließend in den Gaskammern ermordet. Das geschah auch mit den in der „Kinderbaracke“ untergebrachten jüdischen Kleinkindern, die im Sommer 1943 im Rahmen von seitens der SS-Lagerverwaltung und von Aufseherinnen durchgeführten „Kinderaktionen“ brutal auf Lkws verladen und anschließend in den Gaskammern ermordet wurden. Gemeinsam mit ihnen starben auch die meisten jener Frauen, die die Kinder zuvor betreut hatten.
Das geschah abends oder in der Nacht, um danach das Tageslicht zu nutzen, um die Toten am nächsten Tag abzutransportieren und auf Scheiterhaufen zu verbrennen. Bis September 1943 geschah auch das häufig im Wald von Krepiec. Meistens wurden die Leichen aber in einem tiefen Graben auf dem Gelände der etwa 200 Meter außerhalb des Lagerbereichs liegenden Gärtnerei verbrannt, so dass sich der Gestank verbrannter menschlicher Körper permanent über das gesamte Lager legte. Mit der Asche der Ermordeten wurden anschließend die Gemüsegärten in Majdanek und die Felder des von Deutschen besetzten Landguts Felin gedüngt.
Ab September 1943 wurden die Ermordeten dann im neu errichteten Lagerkrematorium verbrannt.