Organisation
Im November 1941 wurde Majdanek der zu diesem Zeitpunkt Richard Glücks unterstehenden Inspektion der Konzentrationslager (IKL) in Oranienburg unterstellt, die als zentrale SS-Verwaltungsbehörde für die Konzentrationslager fungierte. Zunächst fungierte das KZ vorwiegend als Arbeitslager. Seine Häftlinge wurden bei der Erweiterung des Lagers eingesetzt und wurden in den Werkstätten und Warenlagern auf dem Lagergelände sowie in Fabriken und Unternehmen außerhalb von Majdanek beschäftigt. Ein großer Teil von ihnen arbeitete dabei für die deutsche Rüstungsindustrie. Die SS führte im Lager regelmäßig Selektionen durch und liquidierte Arbeitsunfähige.
Aufgrund seiner geografischen Lage befand sich das Lager jedoch von Anfang an im Verantwortungsbereich des SS- und Polizeiführers im Distrikt Lublin, Odilo Globocnik, der zudem zwischen Frühjahr 1942 und Herbst 1943 im Rahmen der „Aktion Reinhardt“ die Vernichtung der jüdischen Bevölkerung im Generalgouvernement koordinierte. Daher bezog er Majdanek von Beginn an in dieses Vorhaben ein. Josef Bühler, Staatssekretär im Generalgouvernement, informierte am 3. März 1942 den Lubliner Distriktsgouverneur Ernst Zörner, dass es „im Rahmen der allgemeinen Lösung des Judenproblems im europäischen Raum vonnöten sei, in Lublin ein Durchgangslager für die aus den bezeichneten Reichsteilen evakuierten Juden zu errichten“. Hierfür sei das Konzentrationslager Majdanek vorgesehen, in dem die Häftlinge künftig nach Berufen erfasst und je nach Bedarf entsprechenden Arbeitskolonnen zugeteilt werden sollten.
Das führte dazu, dass das KZ entgegen seiner bis Frühjahr 1943 (!) beibehaltenen offiziellen Bezeichnung „Kriegsgefangenenlager der Waffen-SS Lublin“ seit Frühjahr 1942 nicht mehr nur als Arbeitslager für Jüdinnen und Juden, als Arbeitskräftereservoir für die SS-Unternehmen und als Ort des Raubs jüdischen Eigentums genutzt, sondern immer stärker auch zu einem Ort für Massenexekutionen und Massenmord wurde. Entsprechend des Funktionswandels wurde Majdanek im Frühjahr 1943 offiziell in „Konzentrationslager Lublin“ umbenannt und entwickelte sich fortan zum Vernichtungsort für die deportierte jüdische Landbevölkerung aus Polen und der Sowjetunion.