Die erste Phase
Am 22. Juli 1942 nahm Treblinka mit den im Rahmen der dort einsetzenden „Großen Aussiedlung“ aus dem Warschauer Getto eintreffenden Deportationen seinen „Betrieb“ auf. In nur fünf Wochen kamen im Lager mehr als 280.000 Jüdinnen und Juden aus den Distrikten Warschau, Radom und Lublin an - zuletzt 70.000 in einer einzigen Woche.
Die aus den Gettos des Generalgouvernements eintreffenden Züge warteten im Bahnhof Treblinka, bis im Lager wieder Tötungskapazitäten frei waren und weitere Opfer ins Lager gebracht werden konnten. Dann wurden bis zu 20 Waggons abgekoppelt und an die dortige Rampe geschoben. Trawniki und SS-Männer drängten die Angekommenen dort zu zügigem Aussteigen, wobei sie den Eindruck aufrechtzuerhalten versuchten, Treblinka sei lediglich ein Durchgangslager.
Trotz der großen Diskrepanz zwischen der eigentlichen Vernichtungskapazität des Lagers und der hohen Anzahl der zur Ermordung eintreffenden Menschen kamen der ehrgeizige Kommandant Eberl und seine Männer ihrem tödlichen Auftrag in den ersten Wochen nicht zuletzt deshalb weitgehend nach, weil sie dabei extreme Gewalt auf die Deportierten ausübten. Außerdem kombinierte man in Treblinka verschiedene Mordmethoden, indem die Deportierten nicht ausschließlich mit Motorenabgasen in den Gaskammern umgebracht, sondern auch durch Massenerschießungen getötet wurden.
Allerdings stieg ab Mitte August 1942 die Zahl der pro Tag ankommenden Opfer derart stark an, dass SS und Trawniki-Männer trotz regelmäßiger Peitschenhiebe, Schläge mit Gewehrkolben und Schüssen nicht mehr in der Lage waren, das Aussteigen aus den Zügen und das Leeren der Rampe zu beschleunigen. Das beeinträchtigte auch das zunächst praktizierte Verfahren, jene Personen, die aufgrund von Alter, Verletzungen oder sonstiger körperlicher Schwäche nicht in der Lage waren, den Weg bis in die Gaskammern zurückzulegen, an der Rampe auszusondern, von wo sie von Arbeitshäftlingen zum „Lazarett“ gebracht wurden. Dort warf man sie kurzerhand in eine Grube und schoss so lange auf sie, bis sich niemand mehr bewegte.
Trotz aller Anstrengungen seiten der Lagerleitung und der SS-Männer brach das praktizierte Vernichtungssystem bereits Mitte August 1942 völlig zusammen und ließ Treblinka im Chaos versinken: Überall im Lager lagen Leichen, Gepäckstücke, Wertsachen und Müll; die Baracken waren überfüllt mit der Kleidung der Opfer, und inmitten dieser heillosen Unordnung und im allgegenwärtigen Schmutz harrten jene Menschen aus, die ermordet werden sollten.
Der für die gesamte „Aktion Reinhard“ verantwortlich zeichnende Odilo Globocnik beschloss daher, Eberl abzusetzen, das Personal in Treblinka zu verstärken und das Lager so umzustrukturieren, dass es die gewünschte Zahl an Transporten aufnehmen konnte. Zum Nachfolger bestimmte er Franz Stangl, der bis dahin die Lagerleitung in Sobibór innegehabt hatte.
Ab dem 28. August wurden die Deportationen nach Treblinka daraufhin für kurze Zeit ausgesetzt, um das Lager entsprechend umbauen zu können. Im September ging die Zahl der Transporte nach Treblinka zwar zurück, um das Lager nicht bereits vor der Fertigstellung des Umbaus und der neuen Gaskammern nicht erneut im Chaos versinken zu lassen, aber dennoch wurden auch in diesem Monat erneut mehr als 180.000 Jüdinnen und Juden im Lager ermordet.