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Lageralltag und Misshandlungen

Auch in Sachsenhausen wurde die Ankunft für die Häftlinge zu einer stundenlangen grausamer Tortur, da die Lager-SS bei dieser Gelegenheit in besonderer Weise ihre Brutalität und Unmenschlichkeit zeigen und ausleben konnte.

Die Fahrt der Züge endete an den Bahnhöfen Oranienburg und Sachsenhausen. Nachdem es anfangs noch einige Transporte in Personenwagen gegeben hatte, erfolgten sie schließlich nur noch in Güterwaggons. Bereits unterwegs litten die Passagiere oft unter Hunger und Durst, Kälte und Hitze, Enge und oft unerträglichem Gestank. Von den Bahnstationen aus trieben SS-Aufseher sie im Laufschritt unter Prügel zum Lager, wo die neuen Häftlinge oft mehrere Stunden in strammer Haltung auf dem Appellplatz ausharren mussten. Die Brutalität bei der Aufnahme nahm in den Anfangsjahren schrittweise zu. So sollen bei der Einlieferungsaktion im Juni 1938 von jedem Transport zehn Männer ausgesucht und anschließend im Freien nackt auf dem Prügelbock ausgepeitscht worden sein, um sie anschließend mit kaltem Wasser zu übergießen.

Auch danach blieb die Gewalt dauernder Begleiter der Häftlinge im KZ-Alltag. Besonders hart wurden dabei Juden, Häftlinge in der „Isolierung“ und jene im „Zellenbau“ behandelt, in dem zunächst die Strafkompanie, „Politisch Rückfällige“ und die Zeugen Jehovas zusammengefasst waren. Jüdische Häftlinge wurden oft bei Appellen herausgegriffen und besonders massiv misshandelt. Weit verbreitet waren dabei Methoden wie der „Sachsengruß“, bei dem die Opfer mehrere Stunden lang in Hockstellung, die Hände vorgestreckt oder im Genick gefaltet, verharren mussten. Häftlinge, die dabei zusammenbrachen, wurden in den Unterleib und gegen den Kopf getreten oder mit Wasser übergossen und dann weiter malträtiert. Auch in ihren Unterkünften wurden bestimmte Häftlingsgruppen besonders terrorisiert. So fanden sie ihre Baracken bei der Rückkehr von der Arbeit häufig durch SS-Leute verwüstet vor, oder diese kamen mitten in der Nacht alkoholisiert in die Unterkünfte und ließen sie um den Block laufen.

Ab 1938 sollen einige SS-Schergen insbesondere im jüdischen Block und in der „Isolierung“ mit unbeschreiblicher Brutalität gewütet haben. Sie spritzten Häftlinge mit einem Wasserschlauch permanent auf die Herzgegend, legten ihre Opfer gefesselt unter die eiskalte Dusche, bis sie starben, führten Schläuche in Körperöffnungen ein oder ließen Durchnässte bei Frost bis zum Erfrieren im Freien stehen. Eine weitere Tortur bestand in Sachsenhausen darin, Gefangene in einem engen Raum zusammenzupressen, um anschließend dessen Türen und Fenster abzudichten, sodass die Betroffenen bald nicht mehr atmen konnten. Wenn nach vielen Stunden die Tür wieder geöffnet wurde, war die Mehrzahl der Häftlinge erstickt. Mehrfach wurden Internierte ins Erdreich eingegraben, sodass nur noch der Kopf herausschaute, oder sogar bei lebendigem Leibe begraben. Gefürchtet war das „Pfahlhängen“, bei dem die Hände des Betroffenen hinter seinem Rücken mit Stricken gefesselt und er dann an einem Pfahl hochgezogen oder einem Haken aufgehängt wurde, sodass sein Körper in der Luft schwebte. Diese Tortur sollte eine halbe Stunde dauern, wurde aber oft ausgedehnt, bis es 1942 abgeschafft wurde.

1936/37 wurden die meisten Internierten beim Auf- und Ausbau des Lagers beschäftigt, wobei vor allem der Einsatz in Baukommandos und ganz besonders jener im „Kommando Klinkerwerk“ gefürchtet waren, in dem ab 1938 permanent rund 1.500 Häftlinge beschäftigt wurden. Es galt als Schrecken aller Häftlinge im KZ Sachsenhausen und war nichts anderes, als eine einzige große Strafkompanie. Später übernahmen andere Baustellen diese Funktion. - Eine Chance zu überleben hatten letztlich nur jene, denen ein Wechsel auf bessere Arbeitsstellen gelang.

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