Organisation, Bewachung und Lagerstruktur
Das KZ Sachsenhausen war organisatorisch so aufgebaut wie alle der seit 1936 der Inspektion der Konzentrationslager unterstellten Einrichtungen. Bis Kriegsbeginn war Theodor Eicke - früherer Kommandant des KZ Dachaus und Mörder von Ernst Röhm - als Leiter der IKL der nahezu unumschränkte Gebieter des SS-Standorts Oranienburg.
Zum Stab der Kommandantur des KZ Sachsenhausen zählten im November 1936 etwa 70 SS-Angehörige, deren Zahl sich über 170 (Ende 1938) bis auf 247 um 1940/41 vergrößerte, um danach bis zum Kriegsende auf rund 200 Stellen zurückzugehen.
Die Kommandanten des KZ Sachsenhausen wechselten in den ersten Jahren häufig. Mitte 1936 übernahm SS-Obersturmbannführer Michael Johann Lippert den Aufbau des neuen Lagers. Ab Oktober 1936 leitete der frühere Kommandant des KZ Esterwegen, SS-Sturmbannführer Karl Otto Koch das KZ Sachsenhausen. Eicke war derartig zufrieden mit seiner Arbeit, dass er ihm im Sommer 1937 die Errichtung des KZ Buchenwald übertrug. In der Folge kam es zu weiteren wechseln. Die Schutzhaftlagerführer wechselten ebenso häufig. Auch für einige von ihnen wurde Sachsenhausen zum Sprungbrett für eine spätere Karriere als Kommandanten anderer Konzentrationslager.
Zur Bewachung standen mehrere Kompanien der Totenkopfverbände zur Verfügung. Die Posten hatten dabei zum einen das Häftlingslager zu bewachen, 52 Mann benötigt wurden, von denen 27 Posten auf den Wachtürme fungierten. Zum anderen mussten sie die Häftlinge der Arbeitskommandos auf deren Wegen zu und von den Arbeitsstellen begleiten.
Die nächste Hierarchieebene stellte das Funktionssystem der Häftlinge dar. Die Lagerältesten, Blockältesten und Kapos - fast ausschließlich deutsche Häftlinge - verfügten dabei über durchaus beachtliche Handlungsspielräume, solange sie die Befehle der SS befolgten.
Um alles Geschehen im Lager unter Kontrolle zu behalten, bediente sich die SS außerdem eines großen Netzes von Spitzeln und versuchte stets, die Interessen der verschiedenen Häftlingsgruppen gegeneinander auszuspielen. Dabei wurden Denunzianten oft mit Posten oder Vergünstigungen belohnt. Besonders die Spannungen zwischen den „Kriminellen“ und den „Politischen“ die Lagerführung dabei immer wieder aus.
Der Tagesablauf im Lager änderte sich mit den Jahreszeiten. Vom Frühjahr bis zum Herbst wurde meist zwischen vier und fünf Uhr morgens geweckt, im Winter etwas später. Die Arbeitszeit endete in den ersten Jahren meist gegen 17 Uhr, während er sich während des Krieges stärker am Bedarf der jeweiligen Betriebe orientierte. Abends wurde durch Läuten die Nachtruhe bekannt gegeben, die zumeist um 21 Uhr begann.
Ausdruck der straffen militärischen Ordnung waren aber insbesondere die zermürbenden Appelle. Morgens und abends mussten alle Internierten blockweise auf dem Appellplatz antreten und warten, bis festgestellt war, dass ihre Anzahl mit den Unterlagen übereinstimmte - gleichgültig, ob es stürmte, regnete oder die Sonne auf die kahlgeschorenen und somit ungeschützten Köpfe brannte. Auch Kranke, die nicht ins Revier aufgenommen worden waren, mussten erscheinen. Häftlinge, die sich im Laufe der Apelle trotz Prügel nicht mehr auf den Beinen halten konnten, lagen am Rande auf dem Boden, ebenso jene, die tagsüber verstorben waren.