Räumung - Befreiung - Opfer
Am 23. April 1945 wurden in Dachau erste Schritte zur Räumung unternommen. Die Lagerleitung ließ etwa 2.000 jüdische Häftlinge auf dem Appellplatz antreten und pferchte sie anschließend in Eisenbahnwaggons, um sie nach dreitägiger Wartezeit in ein Lager in Innsbruck zu transportieren. Der Zug nahm den Weg über München, Wolfratshausen und Penzberg nach Staltach, wo dessen Insassen am 30. April von der US-Armee befreit wurden.
Gegen 9 Uhr am 26. April gab die Dachauer Lagerleitung den Befehl aus, dass sich mit Ausnahme der im Krankenrevier Untergebrachten sämtliche Häftlinge um 12 Uhr marschbereit auf dem Appellplatz einzufinden hätten. Es dauerte dann noch bis zum Abend, bis sich insgesamt 6.887 Häftlinge in drei Kolonnen in Richtung Süden in Marsch setzten, denen sich ein Trupp schwer bewaffneter SS-Männer mit Hunden anschloss. Insgesamt wurden an diesem Tag 8.646 Häftlinge aus dem Lager evakuiert.
Nach einem Marsch von ungefähr 30 Kilometern sammelten sich die Häftlinge am Vormittag des 27. April in einem Wald bei Starnberg, um ihren Marsch in der folgenden Nacht fortzusetzen. An der Sammelstelle blieben jedoch viele Entkräftete zurück, eine weitere große Zahl von ihnen säumte die weitere Route und wurden Opfer des SS-Mordkommandos, das weiterhin den Abschluss der Kolonne bildete.
Dieser Elendszug war bis nach Bad Tölz gelangt und lagerte in einem Wald nahe Waakirchen, als Häftlinge am Morgen des 2. Mai feststellten, dass die SS-Männer bis auf 30 ältere deutsche und lettische Posten über Nacht verschwunden waren. Zugleich traf die US-Armee in Waakirchen ein und brachte die Häftlinge am 4. Mai in den Gebäuden der SS-Junkerschule in Bad Tölz unter. Es handelte es sich noch um fast 4.000 Menschen. Die Zahl Menschen, die im Zuge der Räumung noch ermordet wurden, wird auf 1.000 bis 1.500 geschätzt.
Am 29. April 1945 machte das verlassene Lager den unwirklichen Eindruck einer wahren Todeszone. Auf dem Gelände lagen Hunderte von Toten und im Krematorium türmten sich ungezählte Leichen in verschiedenen Stadien der Verwesung. Zudem stand auf dem Anschlussgleis im SS-Lager noch ein am 28. April in Dachau eingetroffener Zug mit mindestens 1.000 Leichen von Häftlingen aus Buchenwald. Die SS hingegen war im Morgengrauen mit Ausnahme einer kleinen Wacheinheit verschwunden.
Eine Einheit der US-Armee, die am Morgen des 29. April den Befehl erhalten hatte, das Konzentrationslager einzunehmen, erreichte es gegen Mittag. Dachau war befreit.
Nach Recherchen des Suchdienstes des Internationalen Roten Kreuzes starben im Konzentrationslager Dachau zwischen 1933 und 1945 namentlich beurkundet 32.099 Menschen. Weitere 9.467 Tote wurden mit Hilfe anderer Dokumenten nachgewiesen, sodass im Lager mindestens 41.566 Menschen ermordet wurden. Hinzu kommen noch all jene Opfer, die von der Gestapo zur „Sonderbehandlung“ nach Dachau eingeliefert und hier hingerichtet wurden sowie die Häftlinge, die nach dem 26. April 1945 und auf den „Todesmärschen“ ermordet wurden. Außerdem sind noch jene 2.400 „arbeitsunfähigen“ Häftlinge hinzuzurechnen, die 1944 nach Lublin-Majdanek (1.000) und Bergen-Belsen (1.400) deportiert worden waren.