Arbeit und Versorgung
In Dachau gab es zahlreiche Arbeitskommandos, die dazu dienten, Arbeit als Instrument der Disziplinierung, aber auch zur Vernichtung einzusetzen. Als Arbeitsplatz besonders gefürchtet und berüchtigt galten die Kiesgrube oder Einsätze im Garagenbau, an denen insbesondere Juden und „Bonzen“ beschäftigt wurden. In der Kiesgrube hetzte man sie häufig zu Tode, erschoss sie „auf der Flucht“ oder trieb sie in den Selbstmord.
Die SS schreckte auch nicht davor zurück, im größten Dachauer Arbeitskommando, der „Plantage“, ungeheuer belastende und für viele Häftlinge lebensbedrohliche Zustände künstlich herzustellen. Als diese im Frühjahr 1941 um ein neues, noch nicht eingezäuntes Grundstück mit der Bezeichnung „Freiland II“ erweitert wurde, ließ die Lagerleitung, obwohl es eine andere Möglichkeit gegeben hätte, das Gelände von 400 bis 500 Häftlingen mühselig mit Spaten umgraben, wobei sie bis zur Erschöpfung angetrieben und misshandelt wurden. Am schlimmsten erging es dabei den dort eingesetzten etwa 200 jüdischen Häftlingen. Viele der Entkräfteten und Geschundenen begingen in ihrer Verzweiflung Selbstmord, indem sie bewusst die Kette der Wachposten überschritten und sich erschießen ließen.
Die Dachauer Häftlinge trugen in der Frühphase des Lagers zunächst ihre eigene Kleidung, bis diese schrittweise durch abgetragene Drillichanzüge und Stiefel ersetzt wurde. Als Verpflegung erhielten die hart Arbeitenden ein Soldatenbrot von 1,5 Kilogramm, das für drei Tage reichen musste. Zum Frühstück gab es dünnen Ersatzkaffee, während sich das Abendbrot in der Regel aus einem Stück Wurst oder Käse, gelegentlich aus Sülze oder einem Hering zusammensetzte. Dazu wurden dünner Tee oder Kaffeeersatz getrunken. Zum Mittagessen gab es - weinige - Pellkartoffeln und dazu eine Kelle Eintopf. Wer arbeitete, wurde zusätzlich um 9 Uhr und um 16 Uhr mit etwas Brot und Tee verpflegt. Großer Hunger herrschte insbesondere im „Bunker“, wo nur jeden vierten Tag warmes Essen ausgegeben wurde. Die Häftlinge, das geht aus den Erinnerungen vieler ehemaliger Insassen hervor, empfanden die Lagerverpflegung als widerlich. Dabei gilt es jedoch festzuhalten, dass sie in der Frühphase des NS-Regimes unvergleichlich besser und reichhaltiger war als in den späteren, v.a. den Kriegsjahren. Der tatsächliche Kaloriengehalt des Essens lag weit unter dem benötigten Bedarf, wodurch Erschöpfung und Entkräftung der Häftlinge naturgemäß verstärkt wurden.
Es ist bemerkenswert, dass trotz aller kaum zu ertragenden Schikanen und der katastrophalen Versorgungslage vor dem Krieg kaum Fluchtversuche aus dem KZ Dachau stattfanden und solche auch in den ersten Kriegsjahren nur sehr selten vorkamen. Erst seit dem Jahr 1943, als die Häftlinge in verschiedenen Außenlagern in Bayern und Österreich arbeiteten, wo die Bewachung weniger gut organisiert war als im Stammlager, nahmen die Fluchtversuche, von denen einige Erfolg hatten, zu.