Auflösung und Ende
Ende 1944/Anfang 1945 wurde Buchenwald zum Ziel von „Todesmärsche“ die sich aus Richtung der Lager Auschwitz und Groß-Rosen Richtung Westen bewegten. Zu diesem Zeitpunkt zählte das Lager samt seinen Außenlagern mit 87.000 Häftlinge. Bis Februar wuchs diese Zahl noch auf 112.000an, womit es zum größten noch existierenden KZ im Deutschen Reich wurde. Diese hohe Zahl resultierte nicht zuletzt aus den „Evakuierungen“ der inzwischen frontnahen Konzentrationslager im Osten.
Zu dieser Zeit wurde das Lager für die SS bereits Stück für Stück unkontrollierbarer, denn es hatte sich eine effektiv arbeitende interne Widerstandsbewegung etabliert, die versuchte, diese zusehends in die Irre zu führen und im Lagerleben Chaos zu stiften. Außerdem versteckten Angehörige der Gruppe verfolgte Häftlinge und widersetzten sich Befehlen der Kommandantur.
Als sich Anfang April 1945 dann die 3. US-Armee Buchenwald näherte, versuchte die SS-Wachmannschaft auf Weisung Himmlers, das Lager zu evakuieren. Etwa 47.500 Menschen waren hier am 6. April 1945 noch inhaftiert - 22.900 davon im Hauptlager und 18.000 in den Pferdeställen des „Kleinen Lagers“. 6.600 hier internierte Juden waren bereits am 5. April auf dem Gelände der Deutschen Ausrüstungswerke zusammengetrieben worden.
Zwischen dem 7. und 10. April 1945 verließen auf etwa 60 verschiedenen Routen insgesamt rund 28.000 Menschen das Stammlager des KZ Buchenwald und weitere mindestens 10.000 Häftlinge dessen Außenlager in Richtung der KZs Dachau, Flossenbürg und Theresienstadt. Auf diesen neuerlichen „Todesmärschen“ und „Evakuierungszügen“ starben zwischen 12.000 und 15.000 Menschen. Weitere etwa 21.000 Häftlinge - darunter mehr als 900 Kinder und Jugendliche - blieben im Lager zurück.
Die aus dem Widerstand erwachsene illegale Lagerleitung hatte am 8. April 1945 über einen heimlich installierten Sender einen Hilferuf an die herannahenden US-Truppen abgesetzt, die daraufhin zur Ruhe bis zur Befreiung rieten. Die war am 11. April 1945 gekommen, nachdem es zuvor noch zu Frontkämpfen in unmittelbarer Nähe des Lagers gekommen war. Gegen 11 Uhr begann an diesem Tag die Ausgabe von zuvor auf dem Lagergelände versteckten Waffen an ausgewählte Widerständler, die sich auf eine bewaffnete Auseinandersetzung einrichteten. Um 12 Uhr verließen dann die ersten der noch verbliebenen Wachmannschaften den Lagerbereich zu verlassen und Stellung im SS-Bereich oder im umgebenden Wald zu beziehen. Als gegen 14.30 Uhr eine Vortruppe der 3. US-Armee den SS-Bereich des KZs erreichten, griffen die Häftlinge das Torgebäude und die benachbarten Wachtürme an, wobei es ihnen gelang, einige Angehörige des SS-Wachpersonals zu entwaffnen und das Lagertor von innen (!) zu öffnen. Um 16 Uhr war Buchenwald und mit ihm etwa 21.000 Häftlinge befreit. - Am 13. April wurde ein amerikanischer Lagerkommandant berufen.