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Die „Mordwoche“

Die Einlieferungstage in Buchenwald vom 10. bis 14. November brannten sich als „Mordwoche“ in die Erinnerungen aller hiervon Betroffener ein, die diese Tage auch deshalb als so verzweifelt und zunehmend hoffnungslos durchlitten, weil sich die Gewaltexzesse der SS sich über mehrere Tage und Nächte lang nicht abschwächten.

Erst am frühen Nachmittag des 13. November gab es nach zwei langen und leidvollen Tagen das erste Getränk, Stunden später eine erste warme „Mahlzeit“ für die mittlerweile mehr als 9.000 Insassen der Sonderzone. Dieses Essen, ein aus gepökeltem Walfleisch zubereiteter Gulasch, hatte bei Tausenden eine akute Durchfallerkrankung zur Folge, die in der Nacht zum 14. November wie eine Epidemie ausbrach und mehrere Tage anhielt. Dennoch - oder gerade deswegen - sperrte die SS die fünf Notbaracken nachts ab und unterband so gewaltsam die Nutzung der Latrinen.

Am 15. November 1938 wurde zwar die „Mordwoche“ beendet, aber die im Sonderlager ausgeübte Gewalt, dessen Überfüllung, der Mangel an Lebensmitteln und Getränken sowie der unbeschreibliche Schmutz und die katastrophalen hygienischen Zustände, unter denen die Tausende von zusammengepferchten Menschen extrem litten, nahmen noch längst kein Ende. In der Sonderzone setzte stattdessen nunmehr ein Sterben ein, wie es bis dahin in keinem der Konzentrationslager bekannt geworden war.

227 Menschen starben innerhalb der ersten sechs Wochen im Sonderlager. Insgesamt konnten bis heute 255 Opfer der Sonderzone ermittelt werden. Der Älteste von ihnen war 79, der Jüngste wurde 20 Jahre alt.

Die Gesamtzahl der in den Konzentrationslagern nach dem Novemberpogrom ermordeten Juden lässt sich allerdings lediglich schätzen, da die Quellenlage und der erreichte Forschungsstand über die drei aufnehmenden Lager Buchenwald, Dachau und Sachsenhaus sehr unterschiedlich sind. In Sachsenhausen erfolgte offensichtlich eine wesentlich schnellere Entlassung der 6.000 eingelieferten Juden als in Buchenwald.

Insgesamt hatte Buchenwald als das Lager mit den rückständigsten Lebensverhältnissen 1938 mit 20.122 Zugängen den absolut größten Zuwachs an Häftlingen, wobei nach seriösen Schätzungen rund zwei von drei Eingelieferten Juden waren. Weil sich angesichts der schnell steigenden Zahlen die ohnehin schon katastrophale Situation in Buchenwald weiterhin permanent verschlechterte, lag die Zahl der dort zu verzeichnenden Toten in dieser Phase um mehr als das Dreifache über der von Dachau und Sachsenhausen.

Beim gegenwärtigen Kenntnisstand wird man insgesamt von mindestens 400 Todesopfern innerhalb der drei Lager sprechen müssen, eine andere Angabe geht - aber offenbar für das gesamte Jahr 1938 gar von 771 aus. Solche Zahlen berücksichtigen aber natürlich nicht, dass wohl keiner der Inhaftierten den Lageraufenthalt ohne massive physische und psychische Spätfolgen überstand.

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