Auflösung und Ende
Bereits im September 1942 begann sich die Lagerleitung darauf vorzubereiten, die Spuren ihrer Taten verschwinden zu lassen. Nachdem sich Kommandant Höß in Chelmno/Kulmhof darüber informiert hatte, wie man Leichen auf Scheiterhaufen verbrannte und Knochenreste mittels einer Knochenmühle zerkleinerte, fanden diese Methoden nun auch in Auschwitz Anwendung. Die Massengräber wurden geöffnet und die Leichname auf einem aus Eisenbahnschienen errichteten Scheiterhaufen verbrannt und deren Asche in den Fluss Sola geleitet. Später wurden große Verbrennungsgruben angelegt.
Ab September 1944 wurden dann erste Maßnahmen zur Evakuierung und Auflösung der Lager ergriffen, nachdem man bereits im August damit begonnen hatte, rund 65.000 Häftlinge - zumeist Jüdinnen und Juden - zum Arbeitseinsatz in Außenkommandos der Konzentrationslager Buchenwald, Neuengamme und Ravensbrück ins Reichsinnere zu überstellen - eine Maßnahme, die sich bis Mitte Januar 1945 erstreckte
Parallel dazu führte man in Auschwitz selbst die Vernichtung zunächst unvermindert weiter. Bis Ende Oktober 1944 wurden hier nicht mehr arbeitsfähige Häftlinge als „unproduktive Elemente“ in den Gaskammern getötet, bis Anfang November 1944 auf Befehl Heinrich Himmlers die Massenvernichtung eingestellt wurde.
Danach unternahm die SS in den letzten Monaten des Jahres 1944 große Anstrengungen, um Zeugnisse und Beweise ihrer Verbrechen zu vernichten und auch bauliche Zeugnisse ihrer Vernichtungspolitik zu beseitigen. Die Verbrennungsgruben und die Orte, an denen menschliche Asche entsorgt worden war, mussten von Häftlingen gesäubert, mit Erde verfüllt, planiert und mit Rasenstücken belegt werden, um so jeden Hinweis auf ihren ursprünglichen Zweck zu überdecken. Ende September 1944 begann die SS zudem, sämtliche für den laufenden Betrieb nicht mehr benötigten Dokumente - insbesondere Unterlagen zu Häftlingen und die Transportlisten - zu verbrennen.
Am 17. Januar 1945 fand mit immerhin noch 67.000 Häftlingen der letzte reguläre Abendappell in allen Lagerteilen statt. Danach wurden unter dem Decknamen „Karla“ bis zum 23. Januar etwa 56.000 Häftlinge in Todesmärschen teilweise mehrere hundert Kilometer nach Westen getrieben. Hierbei kamen geschätzt weitere 15.000 Menschen ums Leben. In den beiden Lagerbereichen „Auschwitz I“ und „Auschwitz II“ blieben etwa 9.000 Häftlinge zurück, die für eine Teilnahme an den Todesmärschen zu schwach oder zu krank waren. Auch von ihnen wurden in den letzten Tagen vor der Befreiung des Lagers noch mindestens 700 ermordet.
Am 27. Januar 1945 wurden die etwa 7.000 Überlebenden durch die Rote Armee befreit, die im Laufe dieses Tages zunächst gegen erbitterten Widerstand der SS das Lager Monowitz, danach das Stammlager und Birkenau freigekämpft hatte. Aber auch danach starben noch ehemalige Häftlinge an Entkräftung und Krankheiten, zumal in den ersten Tagen lediglich zwölf Pfleger zur Verfügung standen, um rund 2.200 Kranke in Birkenau zu betreuen. Ab Mai/Juni 1945 konnte dann die Mehrzahl der Überlebenden entweder in Erholungseinrichtungen untergebracht oder in ihre Heimat zurückgeführt werden.
Zuvor formulierten die überlebenden Häftlinge folgenden Appell an die Weltöffentlichkeit, den sie einer Anfang März 1945 in Auschwitz anwesenden Delegation der sowjetischen Regierung übergaben: „Wir Unterzeichnenden bitten die internationale Öffentlichkeit aller kriegführenden und neutralen Länder sowie deren Regierungen, im Namen der Menschlichkeit alles daran zu setzen, dass Greueltaten, wie sie durch die Nazis begangen wurden, in Zukunft verhindert werden, damit das Blut ungezählter Millionen Unschuldiger nicht vergebens geflossen ist. Desgleichen bitten wir und mit uns die geretteten circa 10.000 Angehörigen der verschiedenen Nationen, dass die kaum vorstellbaren Grausamkeiten der Hitleristen ihre Sühne und Strafe finden. Wir geretteten ehemaligen Häftlinge verdanken unsere Rettung der tapferen Roten Armee und bitten die Internationale Öffentlichkeit und ihre Regierungen hiervon Kenntnis zu nehmen und in unserem Namen hierfür Dank abzustatten.“