Ermordung durch Arbeit
Wer nach der Ankunft in Auschwitz auf der „Rampe“ als „arbeitsfähig“ klassifiziert worden war, hatte damit alles andere als eine Überlebensgarantie.
Nachdem Lagerkommandant Rudolf Höß im Sommer 1941 von Heinrich Himmler den Befehl zur „Endlösung der Judenfrage“ erhalten hatte, wodurch Birkenau nicht mehr nicht mehr zur Unterbringung sowjetischer Kriegsgefangener genutzt, sondern zum zentralen Ort zur Umsetzung der Massenvernichtung bestimmt wurde, wurden Errichtung und Ausbau des Lagers mit Hochdruck vorangetrieben. Das führte dazu, dass die Todesrate unter den hierfür eingesetzten Kriegsgefangenen und Häftlingen extrem anstieg. Als im Februar 1942 der Baugrund für den neuen Lagerkomplex fertiggestellt war, war der Großteil der hierfür Eingesetzten bereits an Unterernährung, Typhus und anderen Krankheiten gestorben.
Ein derartiger Prozess der „Ermordung durch Arbeit“ prägte auch fortan die Situation in Auschwitz. Es war der schiere Alltag, der für tausende Tote verantwortlich war, denn die Lebensbedingungen, die Unterbringung, die sanitären Verhältnisse, die Verpflegung und alle übrigen Rahmenbedingungen waren so, dass selbst gesunde Ankommende nach wenigen Wochen abmagerten und ihre physische und psychische Widerstandskraft völlig verloren. Das hing naturgemäß auch damit zusammen, dass sie derart schwere körperliche Arbeit unter den im Lager herrschenden Umständen einfach nicht gewohnt waren.
Nicht umsonst kalkulierte die SS mit einer durchschnittlichen Überlebenszeit eines Häftlings von lediglich neun Monaten.