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Ermordung nach der „Selektion“

Jene Häftlinge, die bei der „Selektion“ auf der Rampe als „nicht arbeitsfähig“ eingestuft worden waren, wurden unmittelbar nach ihrer Ankunft ermordet, wofür die Verantwortlichen des NS-Regimes und der SS eine besonders infame Methode durch den Einsatz des Giftgases „Zyklon B“ entwickelten.

Nach ersten, im August 1941 durchgeführten Versuchen an sowjetischen Kriegsgefangenen kam es Anfang September zu einer ersten größeren Mordaktion.[1] Nach Berichten Auschwitz-Überlebender wurde für den Abend des 3. September 1941 eine Ausgangssperre im Lager verkündet. Am späten Abend wurden dann rund 600 sowjetische Kriegsgefangene und etwa 250 polnische Häftlinge aus der Krankenstation unter massiver SS-Bewachung zum Keller des Blocks 11 getrieben und zusammengepfercht. Anschließend wurden Zyklon-B-Dosen in den Raum geworfen, wo sich die Kristalle umgehend in tödliches Gas verwandelten. Zur Effektivierung des Mordverfahrens wurde am 16. September 1941 die ebenerdige Leichenhalle des Krematoriums I als Gaskammer ausgewählt, um weitere 900 sowjetische Kriegsgefangene mit „Zyklon B“ zu ermorden.

Anlässlich eines Besuches von Adolf Eichmann um die Jahreswende 1941/42 wurde daraufhin beschlossen, in Birkenau weitere Vergasungsanlagen zu errichten und die dortigen Krematorien zur Verbrennung der Leichen zu nutzen. Bereits Ende März 1942 fanden in dieser als „Bunker I“ („Rotes Haus“) bezeichneten neuen Gaskammer die ersten Tötungen jüdischer Häftlinge statt. Am 4. Mai folgten 1.000 kranke Lagerinsassen, im Laufe des Monats wurden dann schon weitere 5.200 Jüdinnen und Juden aus der Gegend um Auschwitz ermordet. Am 4. Juli 1942 traf dann der erste Transport aus der Slowakei ein. Der „Bunker I“ erwies sich bald als zu klein, so dass er im Frühjahr 1943 abgerissen und durch „Bunker II“ („Weißes Haus“) mit vier unterschiedlich großen Gaskammern ersetzt wurde. In der ersten Jahreshälfte 1943 nahmen zudem vier mit jeweils über 200qm großen Gaskammern ausgestattete Krematorien ihren Betrieb auf. Die SS war also bestrebt, die Tötungs- und Verbrennungsanlagen vom ersten Einsatz von Giftgas im Jahr 1941 bis zur Ermordung der im Rahmen der „Ungarn-Aktion“ 1944 täglich in mehreren Eisenbahntransporte eintreffenden Jüdinnen und Juden laufend auszubauen und anhand ihrer dabei gewonnenen Erfahrungen technisch und organisatorisch zu optimieren. Schließlich hatten die im Lagerbereich von Birkenau installierten Gaskammern insgesamt eine Kapazität von 8.696 Personen pro Tötungsvorgang und konnten mehrmals am Tag benutzt werden. In den Krematorien konnten 4.416 Menschen innerhalb von 24 Stunden verbrannt werden, während die zusätzlich angelegten Verbrennungsgruben über eine prinzipiell unbegrenzte Kapazität verfügten. Es ging der SS bei allem ausschließlich um die „Effizienz“ des Vernichtungsverfahrens, während ethische oder moralische Aspekte keinerlei Rolle spielten.

Das Verfahren der Tötung hatte in der Regel folgenden Ablauf: Die als „arbeitsunfähig“ Selektierten mussten sich unter SS-Bewachung und angetrieben durch Schreie und Schläge zu den Gebäuden mit den Gaskammern begeben. Dort wurden sie aufgefordert, sich komplett zu entkleiden und Schmuck, Brillen und Prothesen abzulegen. Den Frauen wurden von Häftlingen die Haare geschoren. Anschließend wurden die Selektierten gruppenweise in die angeblichen Duschräume getrieben. Bevor sie überhaupt realisiert hatten, dass es sich dabei um Attrappen handelte, waren die Türen bereits versperrt, woraufhin die Ermordung mit „Zyklon B“ begann.

Der Tötungsprozess selber dauerte trotz aller seitens der SS betriebenen „Effektivierungen“ oftmals mehrere Stunden. Aus Häftlingen zusammengesetzte Sonderkommandos öffneten anschließend die Türen und zerrten die Leichen heraus. Was mit ihnen geschah, beschrieb Kurt Gerstein in einem Anfang Mai 1945 in französischer Kriegsgefangenschaft verfassten Bericht folgendermaßen: „Zwei Dutzend Zahnärzte öffnen mit Haken den Mund und sehen nach Gold. Gold links, ohne Gold rechts. Andere Zahnärzte brechen mit Zangen und Hämmern die Goldzähne und Kronen aus den Kiefern. (...) Einige Arbeiter kontrollieren Genitalien und After nach Gold, Brillanten und Wertsachen.“

Fußnoten

[1] Vgl. hierzu ausführlich https://de.wikipedia.org/wiki/Gaskammern_und_Krematorien_der_Konzentrationslager_Auschwitz (8.9.2021).

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