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Einrichtung des „Stammlagers“ (Auschwitz I)

Nach der Besetzung Polens erwies sich der Transport dortiger politischer Gefangener in Haftstätten und Konzentrationslagern im Reichsgebiet als sehr aufwändig, so dass das NS-Regime entschied, in den früheren polnischen Gebieten selbst KZs zu errichten. Daher erhielt der SS-Standartenführer Richard Glücks als Inspekteur der Konzentrationslager am 1. Februar 1940 von Heinrich Himmler den Auftrag, dortige Einrichtungen auf ihre Verwendungsmöglichkeiten als Konzentrationslager zu prüfen. Glücks befand einen in den 1920er-Jahren erbauten polnischen Kasernenkomplex in Auschwitz aufgrund seiner verkehrstechnischen Anbindung an die Bahnlinie Wien-Krakau und der relativ dünnen Besiedlung der Umgebung für die ins Auge gefassten Zwecke als geeignet. Nachdem das Gelände Mitte April 1940 von einer Kommission begutachtet worden war, ordnete Himmler am 27. April den Bau eines Konzentrationslagers für 10.000 Häftlinge an und ernannte Rudolf Höß am 4. Mai offiziell zum Lagerkommandanten. Zugleich begann die systematische Vertreibung der dort wohnenden polnischen Bevölkerung auf einem Gebiet von etwa 40 qkm.

Die ehemalige Kaserne wurde zum eigentlichen Stammlager, das später „Auschwitz I“ genannt wurde. Nachdem seit dem 20. Mai 1940 Funktionshäftlinge aus dem KZ Sachsenhausen als Vorauskommandos Auschwitz notdürftig vorbereitet hatten, trafen am 14. Juni 1940, der seitdem als dessen „Gründungstermin“ gilt, die ersten 728 polnischen politischen Häftlinge im neu errichteten Lager ein. Bis zum 1. März 1941 standen 20 Steinbauten bereit, in denen nahezu 11.000 vorwiegend polnische Häftlinge untergebracht waren. Zu diesem Zeitpunkt zählte das K nach der Systematik der SS noch zu den Lagern der „Stufe I“ für „wenig belastete und unbedingt besserungsfähige Schutzhäftlinge“.

Anlässlich eines Besuchs am 1. März 1941 erhöhte Heinrich Himmler die Kapazität des Lagers erheblich: Die Kapazität des Stammlagers wurde auf 30.000 Häftlingen erhöht und festgelegt, dass auf dem Gebiet des Dorf Brzezinka (Birkenau) ein Lager für 100.000 Kriegsgefangene errichtet werden sollte. Ferner sollten den IG Farben zum Aufbau von Rüstungsproduktionsstätten in Dwory künftig rund 10.000 Häftlinge aus „Auschwitz I“ als Arbeitskräfte zur Verfügung gestellt werden.

Als im Oktober 1941 die Deportationen aus dem Reichsgebiet begannen, war das KZ Auschwitz noch nicht als Aufnahmeort derartiger Transporte vorgesehen. Erst Anfang 1942 änderten sich die Planungen, und Auschwitz-Birkenau wurde nun als Vernichtungsort in die „Endlösung“ einbezogen. Ab dem Frühjahr trafen dort Transporte aus der Slowakei, aus Frankreich, Polen, Belgien und den Niederlanden ein. Bis zur ersten größeren Deportation aus dem Deutschen Reich verging dagegen noch ein dreiviertel Jahr.

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