Mauritiuswall 8: Café Jakoby
Das Haus Mauritiuswall 8 gehörte Sigismund Kappes, der in Köln mehrere Immobilien besaß, u.a. jene in der Mainzerstraße 7, wo er auch wohnte, neben dem Mauritiuswall 8 noch das Haus Nr. 10 und jenes in der Weyerstraße 94, wo sich 1935 ein weiteres Lokal befand.[1] Beide Grundstücke waren durch eine gemeinsame Brennerei miteinander verbunden. Das Haus Nr. 8 hatte acht Mietparteien und ein zusätzliches Hinterhaus mit weiteren sechs Mietern.
Das Café wurde von dem am 20. Januar 1900 in Geldern geborenen Friedrich („Fritz“) Jakoby gemeinsam mit seiner Frau Hanni und einem weiteren Pächter namens Rillmann (?) betrieben. Fritz Jakobys 1873 in Kamen geborener Vater Louis war seit 1895 als Lehrer an der jüdischen Schule in Geldern, danach an der städtischen jüdischen Volksschule in Köln tätig gewesen, bis er 1938 als Konrektor in den Ruhestand trat. Er wohnte in der Moltkestraße 31 bis er 1942 nach Theresienstadt deportiert wurde, wo er kurz darauf starb.
Fritz Jakoby war mit der nichtjüdischen Hanni Duisberg aus Bottrop verheiratet, die bereits mit 17 Jahren ein Bahnhofsrestaurant am Niederrhein geführt hatte. Das Paar bekam 1924 und 1926 die beiden Söhne Fritz und Rolf und zog zu einem unbekannten Zeitpunkt nach Köln um, wo sie anschließend das Restaurant am Mauritiuswall 8 führten. Es handelte sich um ein Lokal mit Restaurant, Kegelbahn und „Jacobys Nachtlokal“, einer gut besuchten Bar, in der Live-Musik gemacht wurde. Die Familie war wohlhabend, wohnte in einem eigenen Haus in Köln-Marienburg, besaß ein Auto und beschäftigte ein Dienstmädchen.
Der Hauptaufenthaltsort aller Familienmitglieder war aber das Lokal. Fritz und Rolf spielten hier mit Nachbarskindern auf der Straße. Außerdem gab es im ersten Stockwerk ein eigenes Zimmer zum Übernachten. „Meine Mutter war die Chefköchin, mein Vater der Chef!“, erinnerte sich Fritz Jakoby. Sehr genaue Erinnerungen hatte er vor allem an die Pogromnacht. „Wir waren im Lokal und plötzlich hörten wir ein lautes Geräusch. Meine Mutter hat uns geschnappt und oben in das Dachgeschoss geschickt mit dem Kindermädchen.“ Im Lokal selbst kommt zu einer Schlägerei. „Mein Vater war Amateurboxer gewesen.“ Die Schlagzeile im Kölner Stadtanzeiger habe am nächsten Tag gelautet: „Jude hat SA-Mann die Zähne ausgeschlagen!“ Tatsächlich seien, so Fritz Jakoby, die SA-Männer nicht in das Gebäude hineingekommen. Lediglich die Tür sei zerstört worden.
Die in „privilegierter Mischehe“ lebende Familie musste jedoch, nachdem sich Mutter Hanni standhaft geweigert hatte, sich von ihrem jüdischen Mann scheiden zu lassen, das Lokal aufgeben und außerdem aus dem Haus in Marienburg ausziehen. Das Kölner Adressbuch wies Fritz Jakoby 1941 /42 allerdings noch als Mieter im Haus Mauritiuswall 8 sowie als Kaufmann aus. Die Jacobys waren in ihrer Zwangslage zu diesem Zeitpunkt aber längst in ein Mehrfamilienhaus in die Jahnstraße umgezogen. Nachdem dieses Haus durch einen Bombenangriff zerstört wurde, mussten sie in eine noch kleinere Wohnung in die Lungengasse wechseln. „Das war nicht sehr schön“, erinnerte sich Sohn Fritz, zumal die Eltern über keinerlei normalen Verdienst mehr verfügt hätten. Schließlich mussten Vater und Sohn - Bruder Rolf war noch zu jung - Zwangsarbeit beim Bau der Autobahn und von Flakstellungen leisten. Nachdem er ohne „Judenstern“ von der Gestapo aufgegriffen worden war, wurde Fritz Jakoby jun. nach Auschwitz deportiert, das er mit viel Glück überlebte.
In der Nachkriegszeit eröffnete das Ehepaar Jakoby, nachdem Fritz Jakoby sen. seit dem 14. März 1945 einige Zeit als Direktor des Stadtgefängnisses „Klingelpütz“ fungiert hatte, wieder ein Restaurant - den „Ringhof“ am Hohenzollernring 25. Außerdem wurde er bei der Konstituierung der Synagogengemeinde am 29. April 1945 zu deren ersten Vorsitzenden gewählt und bekleidete das Amt bis Februar 1946.
Nach der völligen Zerstörung im Krieg wurde nach 1945 lediglich das Haus Mauritiuswall 10 neu errichtet.