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Marsilstein 28: Café Hirschel

Im Haus Marsilstein 28 hatte Herbert Hirschel erst 1937 eine Konditorei mit Café eröffnet, das er aber bereits nach dem Pogrom 1938, in dessen Verlauf das Geschäft wahrscheinlich verwüstet wurde, nicht mehr weiterführen konnte.[1] Er wohnte weiter im Haus, bis er im Oktober 1941 in das Getto Litzmannstadt deportiert wurde.

Einige Monate später wurde das Haus zum Schauplatz einer sehr ungewöhnlichen Auktion. Seit Beginn des Jahres führten Kölner Behörden an verschiedenen Standorten im Stadtgebiet Versteigerungen durch, in deren Rahmen der Bevölkerung Möbel, Hausrat und Kleidung aus dem enteigneten Besitz emigrierter und deportierter Juden zum Kauf angeboten wurden.

Diese jeweils in der Lokalpresse angekündigten Auktionen waren aufgrund der günstigen Angebote äußerst beliebt. Tausende Kölnerinnen und Kölner wurden mit der Ersteigerung von Gegenständen aus „nicht arischem Besitz“, wie es in den stets ausdrücklich Ankündigungen hieß, zu bewussten Profiteuren der Verfolgung. Der Erlös der Auktionen floss an die Finanzbehörden.

Im März 1942, einige Monate nach der Deportation Herbert Hirschels, nutzte das Finanzamt Köln-Nord das Haus Marsilstein 28 für mehrere dieser Auktionen, die vermutlich in den Räumen des früheren Cafés stattfanden. Hierbei wurde wohl auch das Eigentum von Herbert Hirschel selbst angeboten und von Kölnerinnen und Kölnern gekauft. Wo und wann Herbert Hirschel starb, ist bis heute unbekannt; er wurde nach Kriegsende für tot erklärt.

Fußnoten

[1] Der Text folgt Becker-Jákli, Jüdisches Köln, S. 179.

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