Marsilstein 18: Druckerei Flögelhöver
Richard Sterns Schwester Thekla hatte 1923 den aus einer katholischen Kölner Familie stammenden Heinz Flögerhöver geheiratet.[1] Um 1930 zog das Ehepaar mit den beiden Töchtern in das Haus Marsilstein 18, das Eigentum der Stadt Köln war. Thekla Flögerhöver eröffnete ein Geschäft für Bürobedarf und Schreibwaren, während ihr Mann eine kleine Druckerei führte, die sich im Hinterhaus befand. Beide Geschäfte liefen gut, so dass die Familie bis 1933 in wirtschaftlich gesicherten Verhältnissen lebte. Nach Beginn des NS-Regimes schätzten die Flögerhövers die Bedrohung zunächst gering ein, da Thekla sich und ihre Töchter durch ihren nicht jüdischen Mann geschützt glaubte. Erst nach dem Novemberpogrom, in dessen Verlauf auch ihr Geschäft zerstört wurde, begann die Familie nach Möglichkeiten zur Emigration zu suchen. Die 15-jährige Ruth konnte im Sommer 1939 nach Großbritannien auswandern, die jüngere Tochter Ellen wurde kurz nach Kriegsbeginn mit einer Gruppe von Flüchtlingen illegal über die Grenze nach Belgien gebracht. Nachdem ihre Eltern gefolgt waren, traf die Familie in Brüssel wieder zusammen. Trotz einer Einreisegenehmigung schafften es die Flögelhövers zunächst nicht mehr, in die USA einzuwandern. Zeitweise untergetaucht, überlebten Thekla, Heinz und Ellen die Verfolgung während der deutschen Besatzung, bis sie Ende 1946 doch noch in die USA emigrierten.
Von dem Haus Marsilstein 18 war nach Kriegsende nichts als ein Schuttberg übrig geblieben.
Fußnoten
[1] Der Text folgt Becker-Jákli, Jüdisches Köln, S. 178f.