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Kuba

Nach der NS-Machtübernahme setzte auf Kuba eine Einwanderungswelle aus Deutschland ein, so dass zwischen 1933 und 1945 zweitweise bis 20.000 Jüdinnen und Juden auf der Insel lebten, von denen rund 6.000 aus dem Reichsgebiet zugewandert waren, während etwa 10.000 kubanische Staatsbürger waren.[1] Trotz der Versuche der faschistoiden ABC-Partei und der - allerdings unbedeutenden - unbedeutenden Kubanischen NS-Partei (Partido Nazi Cubano), antijüdische Ressentiments im konservativ-katholischen Lager zu schüren, entwickelte sich im Kuba des 20. Jahrhunderts keine manifeste Judenfeindlichkeit.

Allerdings war die - formal republikanisch, faktisch aber diktatorisch - kubanische Regierung seit 1933 dazu übergegangen, mit Hilfe einer restriktiven Arbeitsgesetzgebung und strengen Aufenthaltsbestimmungen die Einwanderung von Ausländern erheblich einzuschränken. Ein Visum erhielten nur jene, die ein entsprechendes Vermögen nachweisen konnten. Ansonsten wurden lediglich Touristen- oder Transitvisa ausgegeben. Ohnehin waren die Möglichkeiten, auf der Insel zu arbeiten, stark eingeschränkt, da seit 1933 freie Stellen nur noch mit Einheimischen besetzt werden durften. Kulturelle und politische Organisationen von und für Exilanten waren auf Kuba kaum vorhanden oder blieben unbedeutend, was einen Aufenthalt dort noch weiter erschwerte.

Aber trotz solcher Beschränkungen gelang es insgesamt rund 11.000 jüdischen Flüchtlingen, die NS-Zeit auf Kuba zu überleben. Dabei hatten die weitaus meisten von ihnen die Karibikinsel lediglich als Zwischenstopp gesehen, von dem aus sie ihre Einwanderung zu ihren eigentlichen Auswanderungsziel USA betrieben. Daher verfügten sie in aller Regel auch lediglich über ein Transitvisum für einen vorübergehenden Aufenthalt, weshalb Kuba für rassisch Verfolgte eher eine Art „Wartesaal“ zur Weiterreise war. Als das dann immer häufiger scheiterte, gelang es im Laufe der Zeit aber vielen der Flüchtlinge mittels Bestechung oder durch Ausnutzung von Gesetzeslücken, einen gesicherten Aufenthaltsstatus auf der Insel zu bekommen. Das war insbesondere auch für jene notwendig, die zuvor versucht hatten, mit einem Touristenvisum direkt in die USA einzureisen, nach dessen Ablauf von dort aber nach Kuba ausgewiesen worden waren.

Ein besonders tragisches, bereits damals weltweit bekannt gewordenes Ereignis war die Zurückweisung von 937 vorwiegend deutschen Juden, die, am 27. Mai 1939 - mit der „St. Louis“ von Hamburg kommend - mit der Hoffnung in die Bucht von Havanna einliefen, von dort in die USA, für das die meisten über gültige Einreisepapiere verfügten, weiterreisen zu können. Zu diesem Zweck waren Ihnen gegen die Zahlung von Bestechungsgeldern in Deutschland kubanische Touristenvisa ausgestellt worden, die jedoch wegen einer kurz zuvor verfügten Änderung der dortigen Einreisebestimmungen ihre Gültigkeit verloren hatten.

Schiffskapitän Gustav Schröder suchte auf dem Verhandlungsweg nach Auswegen, aber sowohl die kubanische Regierung unter Federico Laredo Brú als auch die US-Regierung unter Franklin D. Roosevelt verweigerten eine Aufnahme der Flüchtlinge. Lediglich 29 Passagiere der „St. Louis“ durften schließlich auf Kuba bleiben, während die übrigen am 2. Juni Havanna verlassen und eine regelrechte Irrfahrt antreten mussten, an deren Ende sie in Antwerpen von Bord gehen konnten und anschließend in Belgien (214), den Niederlanden (181), Großbritannien (254) und Frankreich (224) Zuflucht fanden. Es war insbesondere dem Beharrungsvermögen von Kapitän Schröder zu verdanken, dass die jüdischen Passagiere nicht nach Deutschland zurückkehren mussten. Nach der Besetzung Westeuropas durch die Wehrmacht führte für viele der ehemaligen Passagiere der „St. Louis“ der Weg dann aber doch noch in eines der Vernichtungslager. Die NS-Propaganda nutzte diesen Vorfall, um in ihren Medien die angeblich weltweite Unbeliebtheit der jüdischen Bevölkerung zu behaupten.

Nachdem Kuba 1941 auf alliierter Seite in den Weltkrieg eingetreten war, wurde eine Einreise - kurzzeitig? - an ein „Landungsdepot“ in Höhe von 500 US-Dollar geknüpft - eine Summe, die Jüdinnen und Juden aus Deutschland in aller Regel längst nicht mehr aufbringen konnten. Ab September 1941 galt ein vorübergehender Aufnahmestopp, ab 1942 dann ein völliger Einwanderungsstopp.

Fußnoten

[1] Das Folgende nach Heimat und Exil, S. 144, https://kuenste-im-exil.de/KIE/Content/DE/Themen/kuba.html, https://de.wikipedia.org/wiki/Judentum_in_Kuba und https://de.wikipedia.org/wiki/Irrfahrt_der_St._Louis (4.9.2021)

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