Argentinien
Aufgrund seiner europäischen Prägung und des hohen Lebensstandards galt Argentinien als das begehrteste Emigrationsziel in Südamerika.[1] Daher rangierte es mit bis zu 30.000 deutsch-jüdischen Emigranten mit Abstand vor den ebenfalls stark frequentierten Exilländern Brasilien, Chile und Bolivien. Bis Juli 1938 war eine Einreise in das Land, dessen jüdische Bevölkerung insgesamt rund 270.000 Menschen zählte, mit einem Touristenvisum und auch das Nachholen der Familien relativ leicht möglich. Dann erfolgten eine deutliche Verschärfung der Einwanderungsbestimmungen und mit Kriegsbeginn bis 195 schließlich eine nahezu völlige Schließung der Grenze bis.
Als klassisches Einwanderungsland bot Argentinien den Neuankömmlingen recht günstige Arbeits- und Lebensbedingungen. Dennoch wurden viele von ihnen in der argentinischen Gesellschaft lange nicht heimisch, da die konservative Elite des Landes ihnen mit Ablehnung begegnet. Das hatte zur Folge, dass die eingewanderten Jüdinnen und Juden in eigenen Vereinen und kulturellen Institutionen wie der „Freien Deutschen Bühne“ weitgehend unter sich blieben. In den Bereichen Kunst und Musik, in denen Sprachbarrieren eine geringere Rolle spielen, fielen die Impulse von Emigranten auf das kulturelle öffentliche Leben vielfältiger aus.
Die Einwanderung deutscher Jüdinnen und Juden nahm von 1935 an ständig zu, wobei insbesondere steigende die Gruppensiedlungen der „Jewish Colonization Association“ (ICA) eine erhebliche Rolle spielten. Mit deren Hilfe konnten von 1936 bis 1938 einige Hundert jüdischer Familien aus Deutschland angesiedelt werden. Allein für das Jahr 1936 wurden seitens der ICA die Zahl von 156 Familien angegeben. Aber auch in Argentinien wurden im September 1938 Einwanderungsbeschränkungen installiert, die auch die Einreise hierzu bereits berechtigter Familien erschwerte. Die Gesamtzahl der deutsch-jüdischen ICA-Siedler lässt sich nicht ermitteln. Es dürfte sich jedoch um einige Tausend gehandelt haben
Die Hauptstadt Buenos Aires entwickelte sich zu einem wichtigen Exilzentrum Südamerikas. Hier war auch die Bewegung „Das Andere Deutschland“ angesiedelt, die 1938/39 zum Mittelpunkt der politischen Emigration Argentiniens wurde. Als Exilzeitungen waren hier unter anderen „Das Andere Deutschland“ sowie das deutschsprachige „Argentinische Tageblatt“ vertreten.
Fußnoten
[1] Das Folgende nach Heimat und Exil, S. 154, jüdische Einwanderung, S. 195f. und https://kuenste-im-exil.de/KIE/Content/DE/Themen/argentinien.html (31.8.2021).