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Der Aufstand

Pläne für einen organisierten Widerstand und eine Massenflucht entstanden unter den im Lager internierten Häftlingen ab Frühjahr 1943. Zu diesem Zeitpunkt bemerkten die Gefangenen, dass das Lager seinen Zweck weitgehend nahezu erfüllt hatte, was im Umkehrschluss bedeutete, dass auch für sie in absehbarer Zeit keine Verwendung mehr bestehen würde, was - das lehrte die Erfahrung - den sicheren Tod bedeutete. Eine weitere Bestätigung erfuhr diese Annahme durch die Ankunft der letzten 300 Juden aus dem aufgelösten Lager Belzec, die am 26. Juni 1943 zur Ermordung nach Sobibor gebracht wurden. Sie hatten offenbar bereits zuvor beschlossen, sich ohne jede Mittel zur Gegenwehr sich ihrer Ermordung zu widersetzten. Als sie auseinanderliefen, wurden sie umgehend erschossen.

In ihrer zurückbleibenden Kleidung fanden Sobibor-Häftlinge später einen Brief mit einem Aufruf zum Widerstand, dessen Inhalt der Überlebende Aharon Licht später so wiedergab: „Wir haben unsere Arbeit in Belzec beendet und wurden in das Todeslager Sobibor geschickt, wir wurden geschlagen, wir wollten nicht wie die Schafe ins Feuer gehen, daher sind wir wie Märtyrer gestorben. Lasst Euch nicht ins Feuer führen und rächt Euch!“

Ausschlaggebend für die konkrete Planung eines Aufstands wurde die Ankunft von rund 2.000 jüdischen sowjetischen Kriegsgefangenen aus Minsk am 23. September 1943, die aufgrund ihrer Ausbildung und Kampferfahrung in der Lage waren, ein Untergrundkomitee zu bilden und eine solche Aktion präzise zu planen.

Am Nachmittag des 14. Oktober 1943 lockten sie dann SS-Männer einzeln unter einem Vorwand in die Werkstätten, um sie dort gezielt auszuschalten. Erst beim regulären Abendappell sollten dann alle Gefangenen über den Aufstand in Kenntnis gesetzt werden, um anschließend durch das Haupttor zu fliehen. Im Verlauf des Aufstandes wurden elf SS-Männer und zwei oder drei Trawniki-Männer getötet.

Tatsächlich gelang rund 320 der zu diesem Zeitpunkt etwa 550 Gefangenen zunächst die Flucht. Viele von ihnen wurden jedoch in den nächsten Tagen wieder aufgegriffen und hingerichtet. Alle im Lager verbliebenen Jüdinnen und Juden erschoss die SS noch am 14., die letzten am 15. Oktober 1943. Mindestens 61 ehemalige Gefangene aber erlebten das Ende des Krieges.

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