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Die Ermordung

Nachdem die Menschen aus den überfüllten Waggons entladen waren, hielt ein Angehöriger der Lagerleitung zur „Beruhigung“ eine Ansprache, die jüdische Häftlinge des Arbeitskommandos ins Polnische oder Jiddische übersetzen mussten. Anschließend wurden Männer und Frauen getrennt - letztere in Begleitung der Kinder - durch Trawniki-Männer in die Entkleidungsbaracken getrieben, wo sie durch Wandtafeln angewiesen wurden:

„Achtung! Vollständige Kleidungsabgabe. Alle mitgebrachten Dinge mit Ausnahme von Geld, Wertsachen, Dokumenten und Schuhen am Entkleidungsplatz lassen. Geld, Wertgegenstände und Dokumente sind am Schalter abzugeben und bis dahin bei sich zu halten und nicht aus den Augen zu verlieren. Die Schuhe als Paar miteinander verschnüren und an dem dafür vorgesehenen Platz ablegen. Zusammen vollständig ausgezogen die Bad- und Inhalationsräume betreten.“

Die Männer mussten, brutal angetrieben von SS- und Trawniki-Männern, durch die „Schleuse“ in Richtung der Gaskammern laufen, wo weitere SS-Männer warteten, um die nackten Menschen mit Geschrei und unter Anwendung von Gewalt ins Gebäude und in die Gaskammern zu treiben. Seit Sommer 1942 sahen sich die SS- und Trawniki-Männer dabei immer häufiger mit Widerstand seitens der Deportierten konfrontiert. Sie, die nun zumeist wussten, was auf sie zukam, weigerten sich, die Waggons zu verlassen, sich zu entkleiden und die „Schleuse“ zu betreten.

Sobald die Gaskammern dicht gefüllt waren, wurden die Türen verschlossen, das Licht ausgeschaltet und der Panzermotor im Nebengebäude gestartet, dessen Abgase über ein Rohrsystem in die Gaskammern strömten. Spätestens zu diesem Zeitpunkt brach unter den Eingeschlossenen Panik aus. Sie schrien, riefen um Hilfe, weinten, stöhnten oder beteten. Seit Sommer 1942 gab es ein Lager-Orchester aus sechs Häftlingen, das das Eintreffen der Deportationszüge musikalisch untermalen und die Geräusche des Panzermotors übertönen sollte.

Nach einer halben Stunde öffneten Trawniki-Männer die Türen, woraufhin jüdische Häftlinge des „Sonderkommandos“ die aufrecht stehenden, oft in sich verkeilten Körper herauszerren und an Lederriemen zu den Massengräbern ziehen mussten.

Ein anderes Schicksal widerfuhr den zahlreichen altersschwachen oder kranken Deportierten, die nicht mehr aus eigener Kraft zu den Gaskammern gehen konnten. Sie wurden direkt von der Rampe in das sogenannte „Lazarett“ gebracht, das nichts anderes als ein Massengrab war. Dort warteten Angehörige der Lager-SS und Trawniki-Männer, um sie mit Schüssen in den Hinterkopf zu ermorden.

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