Der Lagerkomplex
Der Lagerkomplex hatte eine Fläche von rund 7.500 qm und war in zwei Bereiche unterteilt.
„Lager I“ wurde von einer zunächst ein-, später zweigleisigen Rampe dominiert, zu der ein Nebengleis vom Bahnhof Bełżec führte. Nördlich der Wachstube befanden sich die Unterkünfte, der Krankenbau mit Zahnarzt- und Friseurstube sowie die Küche und der Speisesaal für die Trawniki-Männer. Außer dem standen hier die Baracken, in denen das Eigentum der Ermordeten vorsortiert wurde. Unmittelbar vor der Rampe standen eine große Baracke für das Hab und Gut der Deportierten und zwei Baracken, in denen sie sich entkleiden mussten. Westlich daran schlossen sich die Unterkünfte und die Küche der jüdischen „Arbeitskommandos“ sowie eine Baracke mit Wäscherei und Näherei an.
„Lager II“ stellte den eigentlichen Vernichtungsbereich dar, der mit Stacheldraht und Zweigen vom „Lager I“ getrennt war. Von den Entkleidungsbaracken führte die sogenannte „Schleuse“, ein zwei Meter breiter Weg, der von drei Meter hohem Stacheldraht mit eingeflochtenen Zweigen als Sichtschutz gesäumt war, direkt zu den Gaskammern. Innerhalb des „Lagers II“ standen zudem zwei Unterkunftsbaracken und eine Küche für die jüdischen Häftlinge des „Sonderkommandos“, die die Leichen aus den Gaskammern zerren und in Massengräbern auf dem Lagergelände vergraben mussten.
Die Gaskammern waren zunächst in einer primitiven Holzbaracke mit drei Räumen untergebracht, die im Zuge eines umfangreichen Lagerausbaus im Sommer 1942 abgerissen und durch einen massiven Betonbau mit sechs Gaskammern ersetzt wurde. Jede dieser Kammern war wie ein Bad hergerichtet, an dessen Decke zu Täuschungszwecken Duschkopfattrappen hingen. Hinter dem Betonbau befand sich ein eigenes kleines Gebäude mit einem sowjetischen Panzermotor, der über Rohren mit den einzelnen Gaskammern verbunden war.
Lagerkommandant Christian Wirth hatte den Ablauf der Vernichtung im Lager so ausgearbeitet, dass er möglichst schnell und reibungslos vonstattengehen und die Betroffenen bis zum Schluss über den eigentlichen Zweck ihres Aufenthalts im Lager Belzec täuschen sollte. Stattdessen sollten die Deportierten so lange wie möglich glauben, sich in einem Durchgangslager zu befinden, von wo aus sie nach ihrer Desinfektion in ein Arbeitslager weiter verlegt würden.