Die Einrichtung des Lagers
Bełżec lag geografisch günstig und verfügte über eine gute Verkehrsanbindung zum westlich anschließenden Distrikt Krakau. Dadurch lagen weder der Ort noch das spätere Lager - anders etwa als Sobibor und Treblinka - alles andere als abgeschieden. In unmittelbarer Sichtweite des Lagergeländes führte die vielbefahrene Bahnstrecke von Warschau nach Lemberg vorbei, und die ersten bewohnten Häuser des Dorfes Bełżec standen in einer Entfernung von gerade einmal 150 Metern. Die Rampe, an der die Deportationszüge entladen wurden, lag nur rund 500 Meter vom eigentlichen Bahnhof in Bełżec entfernt.
Im Ort war bereits im Mai 1940 eines der berüchtigsten frühen Arbeitslager für Juden innerhalb des Generalgouvernements eingerichtet worden. Hier wurden insgesamt mindestens 3.000 Häftlinge - insbesondere jüdische Männer aus dem Warschauer Getto, aber auch etwa 1.000 Sinti aus Hamburg - in einem Lokschuppen, auf einem Gutshof und in einer Mühle untergebracht. Ab Oktober 1940 wurde das Arbeitslager schrittweise aufgelöst, die Häftlinge entlassen oder in andere Arbeitslager der Region verlegt.
Nachdem im September und Oktober 1941 nach mehreren Treffen zwischen Reichsführer SS Heinrich Himmler und dem SS- und Polizeiführer im Distrikt Lublin, Odilo Globocnik die Entscheidung für eine „Germanisierung“ des Distrikts Lublin gefallen war, wurde auch beschlossen, in Bełżec, Sobibor und Treblinka im Rahmen der „Aktion Reinhardt“ drei stationären Vernichtungslager zu errichten, in denen die Opfer mit Kohlenmonoxidgas ermordet werden sollten.
Bereits in den letzten Oktobertagen 1941 verpflichteten daraufhin die drei SS-Oberscharführer Gottfried Schwarz, Josef Oberhäuser und Johann Niemann in Bełżec eine Gruppe von etwa 30 nicht jüdischen polnischen Handwerkern, die zunächst auf dem Gebiet des Kozielsk-Hügels Bäume fällen und das Gelände einebnen mussten. Mitte November 1941 traf dann 60 Männern aus dem SS-Ausbildungslager in Trawniki ein, die nicht nur Wachfunktionen übernahmen, sondern zugleich auch beim Aufbau halfen. Nach einem vorläufigen Abschluss wurden Mitte Dezember 1941 die polnischen Handwerker entlassen. Stattdessen ließ der Lagerkommandant Christian Wirth Ende Januar/Anfang Februar 1942 mehr 100 jüdische Handwerker aus umliegenden Orten ins Lager bringen, um es weiter auszubauen, Werkstätten einzurichten und weitere Gruben auszuheben.