Fotoalben
Private Fotoalben, darin sich die historische Forschung weitgehend einig, „stellen den wohl umfangreichsten Quellenfundus zur Bildgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts dar“. Allerdings seien Skepsis und Unsicherheit gegenüber Bildquellen in der Geschichtswissenschaft noch immer weit verbreitet, was insbesondere für nicht-professionelle und mithin nicht veröffentlichte Amateur- und „Knipser“-Fotografien gelte. Das spezifische „Genre“ des Fotoalbums schließlich werde als Quellengattung selbst von Fotohistorikern noch immer zu wenig berücksichtigt.[1]
Das ist umso erstaunlicher, als gerade das Fotoalbum als „fotografierte Lebensgeschichte“ eine „genuine Form der Überlieferung und Ausdruck selbstdokumentarischen Handelns“ darstellt. „Es ist zumeist diachronisch, also vom Anfang zum Ende hin aufgebaut und hält durch die Anordnung und Beschreibung der Bilder zugleich auch Bedeutungszuweisungen fest, die aus einem Einzelfoto nicht hervorgehen würden.“[2] Das gestaltete Album wird so zum „Buch des Lebens“, wobei in ihm oft Bilder einander zugeordnet werden, die völlig unabhängig voneinander entstanden sein können und nachträglich zu einheitlichen Bild-Text-Aussagen komponiert wurden. Daher geht es nicht nur um eine Einheit von Bild und Text, sondern darüber hinaus oft auch um die jeweilige Anordnung und Inszenierung von Fotos. So wird das Album bereits im Zuge seiner Entstehung zu einer künftigen lebensgeschichtlichen „Quelle“[3], der zugleich ein „kultureller Wert“ zukommt.
Fußnoten
[1] Pagenstecher, Cord: Private Fotoalben als historische Quelle, in: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History, 6 (2009), S. 449-463; Online-Ausgabe: http://www.zeithistorische-forschungen.de/3-2009/id=4629
[2] Jürgen Steen: Fotoalbum und Lebensgeschichte; in: Fotogeschichte 10 (1983), S. 55-67, hier S. 55
[3] Jürgen Steen: Fotoalbum und Lebensgeschichte; in: Fotogeschichte 10 (1983), S. 55-67, hier S. 59f.