Rheinlandloge (B’nai B’rith)
Die CV-nahe Rheinlandloge wurde am 27. Mai 1888 unter engagierter Beteiligung von Dr. Benjamin Auerbach in Köln als eine Organisation ins Leben gerufen, die auf die Abwehr des Antisemitismus und auf die Stärkung jüdischen Selbstbewusstseins gerichtet war und in den folgenden Jahrzehnten in vielen Bereichen soziale und karitative Initiativen ergriff oder unterstützte.
Die Anfänge von B’nai B’rith („Söhne des Bundes“), wie sich die Loge auf Hebräisch nennt, liegen in New York, wo in die USA ausgewanderte deutsche Juden 1843 die ehrenamtliche, von Laien getragene jüdische Organisation gegründet, die innerjüdischer Wohltätigkeit dienen sollte und keine politischen Ziele verfolgte. Was mit einer jüdischen Beerdigungsversicherung begonnen hatte, entwickelte sich bald zu einer Einrichtung, die sich auch der Stärkung jüdischen Bewusstseins ebenso widmete, wie den Kampf gegen jede Form von Antisemitismus.
Ende des 19. Jahrhunderts kam B’nai B’rith auch nach Deutschland, wo der erste Ableger 1882 in Berlin gegründet wurde. Zur deutschen Großloge zählten 1932 mehr als 103 Logen mit rund 13.000 Mitgliedern. Die 1888 ins Leben gerufene Kölner Loge zählte zu den ersten im Reichsgebiet.
Ihren Sitz hatte die Kölner Rheinlandloge im Gebäude in der Cäcilienstraße 18-22, das am 26. Januar 1902 eingeweiht werden konnte. Bis 1913 war die Mitgliederzahl auf 280 angewachsen, so dass ein durchaus elitärer Kreis Kölner Bürger monatlich im stattlichen Logenhaus in der Kölner Innenstadt zusammentraf. 1924 wurde der Rabbiner Leo Baeck zum Großpräsidenten des deutschen Distrikts gewählt, der damals mehr als hundert Einzellogen umfasste. Seine Präsidentschaft dauerte von 1925 bis 1937.
Von der Rheinlandloge, die unter der Devise „Wohltätigkeit, Brüderlichkeit, Eintracht" arbeitete, gingen wichtige Impulse aus. Anlässlich des 25. Jubiläums führte Rabbiner Dr. Isidor Caro hierzu 1913 aus: „Und tatsächlich hat unsere Loge, das können wir zu ihrem Ruhme behaupten, in segensreichster und fruchtbarster Weise das Gemeindeleben in Köln beeinflußt, ja, es ist vielleicht nicht zu viel gesagt, wenn wir meinen, daß sie es eigentlich erst recht geschaffen hat, denn es gibt keine wichtigere Institution innerhalb der hiesigen Gemeinde, die nicht entweder auf ihre Initiative zurückgeht oder in welcher nicht wenigstens Brüder eine hervorragende Stellung einnehmen. Die Rheinlandloge war und ist ein Konzentrationspunkt für die sozialen, ethischen und allgemein jüdischen Bestrebungen innerhalb der Gemeinde, sie ist mit dem Gemeindeleben auf's innigste verwachsen.“ (Die Geschichte der Rheinlandloge Köln. Zu ihrem 25jährigen Jubiläum dargestellt von Dr. Isidor Caro, Köln 1913, S. 24)
Tatsächlich regte die Loge eine intensive Bildungsarbeit an, gründete ein Lehrlingsheim, das der Verbreitung des Handwerkes unter den Juden diente, kümmerte sich um die Ausbildung von Krankenpflegerinnen, schuf eine Arbeitsstätte für Bettler und die Ferienfürsorge für erholungsbedürftige Kinder, rief den Jugendbund „Gabriel Riesser“ ins Leben und engagierte sich für die „große Kolonie ausländischer Juden in unserer Stadt“.
Wie alle anderen Logen in Deutschland wurde auch die Rheinland-Loge am 19. April 1937 gewaltsam zerschlagen und ihr Kölner Sitz in der Cäcilienstraße als Gettohaus zweckentfremdet und missbraucht.
In Köln dauerte es bis 1991, bis man wieder so weit war, an die gewaltsam zerstörte Traditionslinie anzuknüpfen und die Loge mit 72 Mitgliedern neu zu belegen. Als die Kölner Loge 2008 ihren 120 „Geburtstag“ feierte, tat sie das im Gürzenich, wo sie 1888 gegründet worden war und der seit Jahrhunderten als Herzstück des Kölner Bürger- und Gemeindelebens gilt. So betonte Rheinland-Logen-Präsident Franz Rudolf Golling in seiner Rede: „Wir sind wieder in der Mitte der Gesellschaft angekommen.“ Heutiges Ziel der Rheinlandloge ist es nach dem Selbstverständnis der Kölner Synagogengemeinde, „jüdisches Bewusstsein zu stärken, Eintracht und Freundschaft zu fördern und die Verbundenheit mit dem Staat Israel in Wort und Tat zu bekunden“.