Bar Kochba (Köln)
Als es zu Beginn der 1920er Jahre zu stärkeren weltanschaulichen Konflikten im (Kölner) Judentum kam, spaltete sich auch die örtliche Sportbewegung. Der 1902 gegründete jüdische Turnverein ITV spaltete sich, wobei insbesondere die aus ostjüdischen Familien stammenden Sportler*innen der zionistisch orientierten Richtung zuwandten. Auf sportlichem Gebiet erfuhr diese dadurch erheblichen Aufschwung, dass der 1903 als Dachverband der deutsch-jüdisch orientierten Sportvereine ins Leben gerufene „Makkabi Deutschland“ 1923 zu den Gründungsmitgliedern der eindeutig zionistisch orientierten „Makkabi Weltunion“ zählte. Das führte auch in Köln zum Wandel und zur Spaltung der lokalen jüdischen Sportbewegung.
Als zionistisch orientierter Sportverband wurde mit 150 Mitgliedern der Bar Kochba Köln gegründet, der sich dem sozialdemokratischen Arbeiter-, Turn- und Sportbund anschloss und damit neben dem zionistischen auch ein sozialdemokratisches Selbstverständnis an den Tag legte.
Anders als der ITV war der Bar Kochba nicht nur an der Organisation von Sport und Spiel interessiert, sondern proklamierte zudem ein umfassenderes Erziehungsideal. Er wollte für die jüdische Jugend geistige und ideologische Schulung bieten, um die junge Nachkriegsgeneration so im Sinne zionistischer Zielsetzung auf die „neuen jüdischen Fragen, die nach Entscheidung drängen“, vorzubereiten. Im Rahmen des zunehmenden Verständnisses für zionistische und betont jüdische Organisationen etablierte sich der Bar Kochba in Köln schnell. Dabei half es, dass er in sportlichen Wettkämpfen vor allem mit seiner Athletikabteilung bemerkenswerte Erfolge erzielte.
Mit Beginn der 1930er-Jahre nahmen die zunächst strikt auf Distanz achtenden großen jüdischen Sportvereine Kölns Kontakte zueinander auf und veranstalteten 1932 ein gemeinsames Sportfest im Kölner Stadion. Die gesellschaftlich-politische Entwicklung hatte die vom bürgerlichen, deutsch-liberalen Judentum vertretene Abwehr des Zionismus eingeholt.
Bereits im März 1933 hatte sich der Bar Kochba als Mitglied im sozialdemokratischen Sportbund zur Selbstauflösung gezwungen gesehen. Allerdings wurde unmittelbar darauf, im April, als Nachfolgeorganisation der Sportklub Hakoah Köln gegründet, der sich ebenfalls dem Deutschen Makkabi-Kreis anschloss. 1934 zählte der Verein bereits 300 Mitglieder, was auch darauf zurückzuführen war, dass bedingt durch den Ausschluss von Jüdinnen und Juden aus den Vereinen beide jüdischen Organisationen starken Zuwachs erhielten: der ITV weiterhin von assimilierter bürgerlicher Seite, der Hakoah - wie sein Vorgänger Bar Kochba - von ostjüdisch-zionistischer Seite. Die alte Teilung der jüdischen Bevölkerung in deutsch-west-jüdische und zionistisch-ostjüdische Gruppen war damit auch unter den Bedingungen der NS-Verfolgung noch immer an der jeweiligen Mitgliedschaft in einem der beiden Sportvereine ablesbar.